Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Und die Glocken läuteten, und die Kanonen donnerten, und im Dom zu St. Stephan erwarteten fünfundzwanzig glückliche Liebespaare den König von Rom und ſeine Gemahlin, deſſen junge Ehe das Füll⸗ horn der Liebe und des Glückes auch über ſie ergießen ſollte.

VI. Herzensangelegenheiten eines Staatsmannes.

Viel Leute im Vorzimmer? fragte Fürſt Kaunitz den Geheimen Staatsreferendar Baron von Binder, der eben zu ihm eintrat.

Ja, Durchlaucht, ſagte Herr von Binder, es ſind ſehr viele von den Herren Diplomaten da, und erwarten ſehnlich, zur Audienz vorge⸗ laſſen zu werden.

Langweiliges, geſpreiztes Volk, dieſe Herren Diplomaten, rief Kau⸗ nitz ärgerlich. Je kleiner das Land iſt, das ſie vertreten, deſto gewich⸗ tiger bläht ſich ſo ein kleiner Geſandter! Hab' heute keine Zeit, dieſe Herren zu empfangen, beſonders da ich ihnen gar nichts zu ſagen weiß. Wir haben jetzt Frieden mit der ganzen Welt, und beſchäftigen uns nur damit, Oeſterreich durch Heirathen und Verträge zu arrondiren!

Nun, die erſte dieſer Heirathen iſt eben nicht allzu glücklich aus⸗ gefallen, ſagte Binder lächelnd. Man erzählt ſich allerlei ſeltſame Ge⸗ ſchichten von der unglücklichen Ehe des Königs von Rom; man be⸗ hauptet, daß er einen unüberwindlichen Widerwillen gegen ſeine Ge⸗ mahlin empfindet, und ſie ganz öffentlich vernachläſſigt!

Bah, was liegt daran, ob ein Fürſt ein glücklicher Ehemann iſt, oder nicht, ſagte Kaunitz achſelzuckend. Die Fürſten heirathen, nicht

um ihrem Herzen, ſondern um der Politik zu genügen, und wenn ein Fürſt noch die Prätenſion macht, als Mann eine glückliche Ehe mit ſeiner Frau zu führen, ſo iſt er entweder ein empfindſamer Egoiſt, oder ein ſinnloſer Dummkopf, der ſeine Stellung gar nicht begriffen hat. Wenn der König von Rom ſeine gute, laugweilige, gefühlvolle und häß⸗ liche Gemahlin nicht lieben kann, nun ſo ſoll er die Ausſichten lieben,