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welche Sie Ihrer Gemahlin ſchuldig ſind! Die Glocken von Wien läuten zu uns herüber, und das Volk erwartet ſeine Fürſten, um ihnen Glück zu wünſchen! Es ziemt den Fürſten nicht, ihre Völker in ſolcher Stunde warten zu laſſen!
Und ohne eine Antwort Joſephs abzuwarten, ohne nur zu beach⸗ ten, ob ihren Befehlen auch ſchon genügt worden, durchſchritt die Kai⸗ ſerin das Gemach, und riß die nach dem Vorſaal führenden Thüren auf.
Man benachrichtige den Hof, daß wir zur Abfahrt bereit ſind, rief die Kaiſerin mit lauter gebieteriſcher Stimme. Die Wagen ſollen vor⸗ fahren, der Hof ſoll eintreten!
Und die Kammerhuſaren riſſen die Thüren zu dem Saale da drüben auf, und der Kaiſer und die Prinzen und Prinzeſſinnen, und das glänzende Gefolge geputzter, von Brillanten und Ordensſternen leuchtender Herren und Damen trat in den Saal ein.
Die Kaiſerin ſchritt ihrem Hof mit einem heitern Lächeln entgegen. Sie ſchaute nicht ein einziges Mal zurück, um zu ſehen, ob das junge unglückliche Paar ihren Befehlen genügt hatte, ſie wußte, daß ſie es gethan, daß die Etiquette ihre alte Macht der Gewohnheit über ſie ausübte, und daß das Lächeln des Ceremoniells ſich wie ein goldglän⸗ zender Schleier über ihr trauriges Antlitz gelegt habe.—
Eine Stunde ſpäter hielt die Kaiſerfamilie ihren glänzenden Einzug in Wien. In dem von Gold und Spiegelfenſtern ſtrahlenden Galla⸗ wagen ſaß die ſchöne ſtolze Kaiſerin, ihr zur Seite die junge Königin von Rom, zu beiden Seiten des Wagens neben ihren Gemahlinnen ritten auf ſtolzen goldgezäumten Pferden der Kaiſer Franz von Lothrin⸗ gen, und der König von Rom; das auf den Straßen ſich drängende Volk, die an den Fenſtern und auf den Balconen dicht geſchaarten Damen und Herrn jauchzten und jubelten in froher Luſt dem Kaiſerpaar und dem jungen Königspaar ſeine Glückwünſche entgegen, und die Kaiſerin und die Königin dankten zu allen Seiten hin mit einem glücklichen huld⸗ vollen Lächeln, und nach allen Seiten hin grüßte der König von Rom, und dankte den entzückten Wienern, welche zu Ehren ſeiner wundervollen Augen eine neue Farbe, das„Kaiſerblau“,*) erfunden hatten, mit freund⸗ lichem Neigen des Hauptes.
*) Groß ⸗Hoffinger. Joſeph II. Bd. I. S. 50.*
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