Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Laſſen Sie ſie auf ihren Knieen, Majeſtät, denn ſie iſt da auf ihrer Stelle! rief Joſeph mit harter Stimme. Wenn Sie aber knieen wollen, bis ich Ihnen vergeben habe, Madame, ſo werden Sie ewig da am Boden liegen können, denn nimmer werde ich Ihnen vergeben, und nimmer kann wieder gut zwiſchen uns werden, was Sie ſchlimm ge⸗ macht haben. Ich habe mich in dieſe Ehe gefügt, weil ich der Politik dieſes Opfer ſchuldig war, ich hatte den redlichen Willen, Ihnen und mir die Laſt unſeres Verhältniſſes leicht zu machen, ich trug Ihnen ſtatt der Liebe, die ich nicht in meinem Herzen hervorrufen konnte, mein Vertrauen und meine Freundſchaft entgegen. Sie wiſſen, wie Sie uns Beide getäuſcht haben, wie Sie in dem wichtigſten und größten Moment mich betrogen und hintergangen haben, mit welcher kleinlichen erbärm⸗ lichen Lüge Sie mein Vertrauen zurückgewieſen haben. Es kann alſo nimmermehr gut zwiſchen uns werden. Ich könnte es Ihnen vielleicht verzeihen, daß Sie mich an eine mit ſchlimmer Krankheit behaftete Frau gekettet haben, aber nie und nimmermehr werdy ich's vergeſſen und vergeben, daß dieſe Frau auch eine feige Lügnerin iſt!

Es iſt genug! rief die Kaiſerin, empört ebenſo ſehr über die Härte Joſephs, als über die Demuth ſeiner Gemahlin. Dieſe Scene muß enden, und ſo Gott wlill, ſoll ſie ſich niemals erneuern! Der Segen der Kirche iſt über Euch geſprochen, Ihr habt das Sacrament der Ehe empfangen, und ſeid alſo aneinander gebunden für alle Ewigkeit. Ihr müßt alſo ſchon ſuchen miteinander auszukommen! Es hat Jeder ſein Theil an Unglück und Schmerzen zu tragen, und keine Augen giebt's, die nicht auch verſchwiegene Thränen geweint haben. Euer Schickſal iſt nicht mehr zu ändern, alſo tragt es mit Anſtand, klagt in der Stille, aber habt den Muth öffentlich der Welt gegenüber zu lächeln, wie es Fürſten geziemt, mein Sohn, Fürſten, die ihre Pflichten höher ſtellen, als ihre Menſchenrechte!

Und mit jener impoſanten Hoheit und ſtolzen Würde, die der Kai⸗ ſerin in allen großen Momenten eigen war, fuhr ſie fort: erheben Sie Sich von ihren Knieen, Königin, und vergeſſen Sie nicht länger, was einer Frau und einer Königin geziemt. Und Sie, mein Sohn, reichen Sie Ihrer Gemahlin die Hand, und beleidigen Sie nicht länger Sich Selbſt, indem Sie der Prinzeſſin die Ehrfurcht/ und Achtung verſagen,