Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Ein ungeſtümes Klopfen an der Thür ſtörte die Kaiſerin in ihrem Selbſtgeſpräch; dann ward die Thür, ohne eine Erlaubniß abzuwarten, geöffnet, und der König von Rom trat ein. Er ſah bleich und verſtört aus, und den freundlichen, heitern Willkommensgruß Maria Thereſia's erwiderte er nur mit einer ſtummen, kurzen Verbeugung.

Die Kaiſerin gewahrte es, und eine unwillkürliche Angſt beſchlich ihr Herz. Nun wahrlich, mein Sohn, ſagte ſie, Du kommſt nicht mit einem Geſicht, wie es ſich zu dem heutigen Feſttag ſchickt, und Deine junge Gemahlin—

Ich habe keine Gemahlin, unterbrach der König ſie haſtig. Ich komme, um Ew. Majeſtät zu bitten, dieſe Feſtlichkeiten einzuſtellen, oder mindeſtens nicht zu begehren, daß ich an der Seite der Prinzeſſin von Baiern derſelben beiwohnen ſoll. Sie iſt nicht meine Gemahlin und wird es niemals ſein!

Was bedeutet das? fragte die Kaiſerin entſetzt.

Das bedeutet, ſagte Joſeph mit feſtem und entſchiedenem Ton, daß dieſe Ehe null und nichtig iſt, daß ich nun und nimmermehr dazu ge⸗ zwungen werden kann, der Gemahl einer mit dem Ausſatz behafteten Frau zu ſein.

Die Kaiſerin ſtieß einen Schrei aus und wich entſetzt zurück. Was ſprichſt Du da, mein Sohn? fragte ſie bebend. Was iſt das für eine unerhörte Beſchuldigung?

Eine Beſchuldigung, welche indeſſen Wahrheit iſt, Majeſtät. Hat man uns nicht vor einiger Zeit erzählt, daß der natürliche Sohn des Churfürſten, der Graf Samſtein, in München im Churfürſtlichen Schloß am Ausſatz geſtorben ſei, den er von einer Reiſe in den Orient ſich mitgebracht? Nun denn, ſeine zärtliche und aufopferungsdurſtige Halb⸗ ſchweſter, die Prinzeſſin Joſepha, hat ſich zu ſeiner Pflegerin gemacht und iſt bis zu ſeinem Tode bei ihm geblieben. Ew. Majeſtät werden dies ohne Zweifel ſehr edel, ſehr erhaben und chriſtlich finden, ich mei⸗ nestheils würde es edel gefunden haben, wenn die Prinzeſſin uns von meiner Vermählung von dem Erbtheil ihres Bruders, das ſie auf ihrem

Nacken trägt, Kunde gegeben hätte!. 2 Wehe ihr, wehe ihrem Bruder, rief die Kaiſerin mit zornglühender

Augen, wehe dem Hauſe Baiern, wenn Du die Wahrheit ſprichſt!

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