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Ew. Majeſtät können ſich leicht davon überzeugen, wenn Sie die Gnade haben wollen, den Leibarzt van der Swieten zu der Prinzeſſin zu ſenden.
Die Kaiſerin klingelte heftig und befahl dem eintretenden Kammer⸗ huſaren, ſofort den Leibarzt zur Kaiſerin zu beſcheiden.
Wenige Minuten ſpäter trat van Swieten in das Gemach, in wel⸗ chem die Kaiſerin mit ihrem Sohn ſich befand.— Maria Thereſia ſchritt dem Arzt, der ſeiner hochherzigen, edlen Geſinnung, ſeiner damals ſchon in ganz Europa berühmten tiefen, ärztlichen Wiſſenſchaft, und ſeinem edlen, kühnen Freimuth die Stellung eines vertrauten Freundes der Kaiſerfamilie verdankte, lebhaft entgegen.
Swieten, ſagte ſie, Er hat in Unſerm Dienſt Uns ſchon manch' Leiden tragen helfen, manch' tiefes Geheimniß Unſeres Hauſes iſt Ihm anvertraut, und Er hat's redlich und treu bewahrt. Heut' nehm ich wieder Seine Verſchwiegenheit und Treue in Anſpruch. Der König von Rom behauptet da gar ſeltſame und unerhörte Dinge von ſeiner jungen Gemahlin. Ich will's nicht glauben, ehe ich Ihn gehört habe. Gehe Er alſo ſofort zur Prinzeſſin, befehle Er ihr in meinem Namen Ihm die/ Krankheit zu ſagen, an welcher ſie leidet, und Ihn ihren Nacken er en zu laſſen!
Aber Ew. Majeſtät, rief van Swieten überraſcht, wenn die Prin⸗
ſin meine Hülfe nicht begehrt hat— Ant So wird Er ihr dieſelbe aufdrängen, unterbrach ihn die Kaiſerin⸗ wiertig. Geh Er zu ihr. Die Prinzeſſin wird Ihn ſchon annehmen und hem Arzt gegenüber wird ſie ſchon Vertrauen gewinnen. Gehe Er ſogleich, und ſobald Er die Prinzeſſin verlaſſen hat, kehre Er hierher zurück. Van Swieten verneigte ſich und ging hinaus; die Kaiſerin und ihr Sohn waren wiederum allein. Beide ſprachen ſie lange kein Wort. „ Der König von Rom hatte ſich in eine Fenſterniſche zurückgezogen und 4 ſtarrte mit finſtern Blicken zum Himmel empor. Die Kaiſerin ging mit „ großen Schritten auf und ab und achtete es wenig, daß bei der raſchen Bewegung der goldene Puder wie glitzernde Sonnenſtäubchen um ſie her ſprühte. Chriſtina hat wohl Recht gehabt, mich zu warnen, rief die Kaiſerin nach langer Pauſe. Ich hätte nimmer meine Einwilligung geben ſollen Kaiſer Joſeph. 1. Abth. II. 10
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