Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Mode gemäß, ihre natürliche Röthe durch die künſtliche Schminke zu erhöhen, und ihre großen grauen Augen blitzten noch in einem ſo leuch⸗ tenden, flammenden Glanz, daß ſie ſehr wohl dieſer Folie der Schminke, welche nicht blos den Wangen Röthe, ſondern auch den Augen Glanz verleihen ſoll, entbehren konnte.— Maria Thereſia war noch immer eine ſchöne, bewunderungswürdige Frau, trotz ihrer achtundvierzig Jahre, trotz der ſechszehn Kinder, welche ſie ihrem Gemahl geboren; und nicht blos ihr Antlitz und ihre Geſtalt hatten ſich die Schönheit und Friſche der Jugend bewahrt, auch ihr Herz war jung und friſch geblieben, und hatte ſich das Feuey und die Kraft der Jugend unverſehrt erhalten. Sie liebte den Kaiſer, ihren Gemahl, heute noch mit derſelben Gluth und Innig⸗ keit, als ſie ihn geliebt hatte vor achtundzwanzig Jahren an dem Tage ihrer Vermählung, ſie hing an jedem einzelnen ihrer Kinder mit der⸗ ſelben Gluth und Innigkeit, als hätte ſie nicht unter den zehn noch lebenden Kindern ihre Zärtlichkeit zu theilen, und die Schmerzen und die Freuden ihrer Kinder fanden in ihrem zärtlichen Herzen ſtets den lauteſten Wiederhall.

Heute hatte ſie ſich ſo köſtlich geſchmückt zu Ehren des neuver⸗ mählten Paares, das jetzt in Wien ſeinen feierlichen Einzug halten, und im Stephansdom der Trauung von fünfundzwanzig glücklichen Brautpaaren beiwohnen ſollte, welche die Kaiſerin zur Fejer der Ver⸗ mählung des Königs von Rom ausgeſteuert und verſorgt hatte.

Ich denk, es ſoll dem Joſeph Glück bringen, wenn dieſe funfzig verliebten und glücklichen Menſchenkinder für ihn ihre Gebete zu Gott empor ſenden, ſagte die Kaiſerin lächelnd zu ſich ſelber, als ſie jetzt vom Spiegel zurücktrat. Er kann ſolche Gebete wohl gebrauchen, und es thut wohl Noth, für ſein Glück zu beten, denn die Joſepha gleicht gar wenig ihrer Vorgängerin, und ich fürcht', ihr Gemahl wird an ihrer Seite nimmer die ſchöne Iſabella vergeſſen. Aber ſie ſchaut gut⸗ herzig aus, die Joſepha, und ich hab's in ihren Augen geleſen, daß ſie den Joſeph ſchon liebt. Da wird ſich die Sach' zuletzt ſchon machen, denn die Männer ſind gar eitel und gefallſüchtig, und wenn ſie's merken, daß ein gutes und braves Frauenherz ſich in ſie vergafft hat, da können uletzt halt nit widerſtehen, und lieben ſie erſt aus Mitleid und

4 elkeit, und nachher aus Gewohnheit!