Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Ich bin es, Sire, flüſterte eine zitternde, demuthsvolle Stimme, und ich bitte Ew. Majeſtät dringend mir zu öffnen!

Es iſt mein Kämmerer Anſelm, ſagte Joſeph zu der Prinzeſſin gewandt, während er den Riegel zurückſchob.— Er hatte ſich nicht ge⸗ täuſcht, es war Anſelm, welcher auf der Schwelle der Thür erſchien, und ſeinem Herrn mit geheimnißvollen Mienen mit den Augen zuwinkte.

Wollen Ew. Majeſtät einen Moment die Gnade haben, mich an zuhören, ſagte er, und hier auf den Corridor hinauszutreten, damit ich meine Botſchaft ausrichten kann?

Iſt ſie denn ſo eilig, Anſelm? fragte der König befremdet. Kann ſie nicht warten bis morgen?

Nicht eine Minute kann ſie warten, Sire, denn man hat mir ge Wohlergehen und Geſundheit davon abhinge,

ſagt, daß Ew. Majeſtät daß ich meine Botſchaft ausrichte.

Wer hat Dir das geſagt? fragte Joſeph, auf den Corridor hin Wer hat Dich hergeſchickt?

austretend und die Thür hinter ſich zudrückend. ſterte Anſelm. Es

Sire, ich weiß es nicht, ich ahne es nur, flüſ war eine Frauengeſtalt, ganz eingehüllt in einen großen, ſchwarzen Mantel, mit einer Kaputze über den Kopf, welche das ganze Geſicht verhüllte. Sie kam über die kleine Gallerie, welche zu den Zimmern der Erzherzoginnen führt, und trat ohne Weiteres in das Kabinet Eurer. Majeſtät ein, welches ich aufgelaſſen hatte, während ich Ew. Majeſtät hierher leuchtete.

Und was that ſie, was ſagte ſie? fragte Joſeph ungeduldig.

Sie fragte, ob Ew. Majeſtät ſchon zu der Frau Erzherzogin ge gangen ſei, und als ich es bejahete, ſteckte ſie ihre Hand mit einem Brief aus ihrer Kapuze hervov, und reichte ihn mir hin. Eile, ſagte ſie, wenn Dir das Glück Deines Herrn etwas werth iſt. Bringe dem König von Rom ſogleich dieſen Brief. Sein Wohlergehen und ſeine Ge⸗ ſundheit hängt davon ab, daß er ſogleich ſeinen Inhalt lieſt⸗ Eile alſo! Sie winkte mit der Hand hierher und verließ eilends das Gemach. Hier iſt der Brief, Majeſtät, haben Sie alſo die Gnade ihn zu leſen.

Der König nahm das dargereichte Papier, das ihm die heit des Corridors indeſſen nicht zu leſen geſtattete. Und wer meinſt

Du, war dieſe räthſelhafte Botin?

Dunkel⸗