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irgend einen Wunſch, den ich Ihnen erfüllen könnte? Haben Sie da in Ihrem Herzen gar nichts, was Sie mir als ein Geheimniß zuzuflüſtern hätten, und wär's auch nur um mir einen Beweis Ihres Vertrauens zu geben?
Joſepha zuckte zuſammen, und ihre Wangen erbleichten. Dieſe Frage Joſephs weckte ſie aus der heiteren, glückſeligen Stimmung, der ſie ſich arglos überlaſſen hatte, dieſe Frage erinnerte ſie, daß es aller⸗ dings auf dem Grunde ihres Herzens ein Geheimniß gäbe, welches ſie faſt verpflichtet ſei, ihrem Gemahl mitzutheilen. Furchtſam und zagend blickte ſie ihn an. Vielleicht wußte er ſchon etwas von dieſem Geheimniß, vielleicht wollte er ihr Gelegenheit geben, offen zu ihm zu ſprechen?
Aber nein, ſein Antlitz trug ſo ſehr den Ausdruck der Offenheit und Unbefangenheit, es lag nichts Lauerndes, Ausforſchendes und Be⸗ obachtendes in ſeinen großen, tiefblauen Augen.
Er wußte und ahnte nichts, und wozu alſo ihm ein Geheimniß anvertrauen, das ihn von ihr zurückſcheuchen konnte, das im Stande war einen Schatten über dieſe Stunde voll Sonnenglanz und Freude zu werfen?
Nun? fragte Joſeph freundlich. Sind Sie zu Ende mit Ihrem Nachdenken? Finden Sie nichts, was Ihr Herz bedrückt, und was Sie Ihrem neuen Freund anzuvertrauen hätten?
Nein, ſagte Joſepha feſt, nein, ich finde nichts. Mein Leben iſt arm und einfach hingeſchlichen, ich habe nichts erlebt, kaum gelebt, kaum Etwas gedacht, außer, daß die Welt im Grunde recht langweilig und eintönig ſei, und daß es ſich kaum der Mühe verlohnt, ſich ſo durch die langſam hinkriechenden Tage hin zu träumen. Ich werde jetzt erſt anfangen zu leben, die Sonne, welche ich ſo lange erſehnte, wird jetzt über mir aufgehen, ich ſtehe ſchon in ihrer Morgenröthe!
Still! ſagte Joſeph leiſe. Hörten Sie nichts? Mir war es, als hätt' ich ein leiſes Klopfen an der Thür vernommen. Jetzt wieder! Es ſcheint wahrhaftig, als ob Jemand zu dieſer Stunde noch
Einlaß begehrt.
Und der König erhob ſich haſtig und eilte nach der geheimen Thür hin. Iſt Jemand da? fragte er mit lautem, drohendem Ton.


