Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Freundlichkeit an. Sie legte mit einem ſchmerzlichen Lächeln ihre Hand in die ſeine, aber vor ſeinen großen blauen Augen ſenkten ſich ihre Blicke gleichſam erſchreckt zu Boden.

Alſo willkommen, meine Freundin, meine Schweſter, ſagte Joſeph faſt heiter. Sie haben mir den Handſchlag gegeben, jetzt ſind Sie Mein! Und nun offenes, rückhaltloſes Vertrauen zu einander. Wollen Sie mir auch das verſprechen, meine Schweſter?

Ja, ich verſpreche es Ihnen, hauchte ſie leiſe.

Wollen Sie Ihr Herz immer vor mir darlegen, wie ein Buch, in dem ich leſen darf?

Ich will es! Ich will niemals ein Geheimniß vor Ihnen haben!

Und ich nicht vor Ihnen. Sehen wir zu, ob aus dieſer ver⸗ trauensvollen Freundſchaft nicht zuletzt die Blume der Liebe hervorblühen kann! Offenes, gegenſeitiges Vertrauen alſo! Wir werden deſſen Beide bedürfen, um uns auf dieſem glatten, glänzenden Hofparquet, auf dem man allerlei unſichtbaren Fußangeln und blumenüberdeckten Abgründen begegnet, zurecht zu finden. Ich bin dieſes Ausweichens vor heimlichen Gefahren, dieſer ſteten mißtrauiſchen Vorſicht gewohnt, Sie aber ſind fremd an dieſem Hofe, Sie ahnen nichts von den Fährlichkeiten, die Sie umgeben, Sie bedürfen eines Lootſen, der Ihnen den Weg durch die Klippen und Untiefen zeigt. Ich will Ihr Lootſe ſein, Madame, und Dank den traurigen Erfahrungen, die ich an jedem Tage meines Lebens gemacht, kann ich Sie lehren, die Gefahren zu vermeiden und ihnen auszuweichen. Vor allen Dingen alſo. Madame, wagen Sie niemals, irgend etwas zu ſagen, oder zu wünſchen, was den Neigungen und Anſichten der Kaiſerin widerſtrebt. Laſſen Sie es Sich niemals beikommen, zu glauben, daß Sie eine freis Menſchenſeele, ein berech tigtes Individuum ſind, welches ſeine eigenen Gedanken und Anſchauun⸗ gen haben darf. Wir ſind eine in Gehorſam, Demuth, Unterwürfigkeit und Frömmigkeit erzogene Familie, wir ſehen Alles nur mit den Augen der Kaiſerin, hören Alles nur mit ihren Ohren, und wagen niemals, es uns merken zu laſſen, daß wir auch eigene Augen und Ohren haben. Das iſt alſo das Erſte, was Noth thut, verbinden Sie Sich Ihre ei⸗ genen Angen und Ohren, hören und ſehen Sie nur durch die Kaiſerin. Aber ganz heimlich und in der Stille wird es mir doch erlaubt

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