Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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an ſeinem Schreibtiſch ſaß und arbeitete. Um ihn her lagen Bücher, Papiere und beſchriebene Notenblätter, dicht neben ihm an einem Stuhl, auf welchem eine Violine und eine Flöte lag, lehnte ein Cello, an der Wand da drüben ſtand eins dieſer ſchönen aufrechtſtehenden Pianoforte's, wie ſie um dieſe Zeit die geſchickten Inſtrumentenmacher Wien's zu bauen begonnen.

Gluck ſaß noch immer mit der Feder in der Hand vor dem No⸗ tenblatt; zuweilen hielt er im Schreiben inne und ſang halbleife einen Anfang einer Melodie, zuweilen ließ er, halb declamirend, halb ſingend einen Recitative'ſchen Satz erklingen, und ſchrieb dann wieder eifrig weiter. Die Lichter waren jetzt ganz und gar niedergebrannt, hier und da begann eins und das andere zu erlöſchen, und das aufgelöſte heiße Wachs floß in einzelnen ſchweren Tropfen von der Manſchette des Leuchters nieder auf die Papiere, welche auf dem Tiſch lagen. Gluck gewahrte das nicht, er ſah auch nicht, wie durch die Spalten der Vor⸗ hänge hier und da die Tageshelle mit bläulichem glänzenden Schein hereinſchaute, und ſo ganz und gar war er in ſeine Arbeit vertieft, daß er gar nicht auf das leiſe Klopfen achtete, das ſchon mehrmals und in langen Zwiſchenräumen von der Thür, der einzigen, welche in das Sanetuarium des Künſtlers führte, erklungen war.

Aber jetzt ward dies Klopfen an der Thür ſo laut und heftig, daß es wohl im Stande war den ſchaffenden Componiſten aus ſeiner Be⸗ geiſterung zu wecken und ihn an die Wirklichkeit zu mahnen. Mit ei⸗ nem unwilligen Stirnrunzeln ſprang er empor, und ging mit dröhnenden, raſchen Schritten, die hohe Figur umwallt von dem dunkelblau ſeidenen, mit braunem Pelz verbrämten Schlafrock, zu der Thür hin, um den Riegel zurückzuſchieben.

Sofort ward dieſe Thür geöffnet und eine hochgewachſene Dame im eleganten Morgenanzug trat ein. Ihre edlen regelmäßigen Züge waren unruhig und bewegt, ihre Wangen waren bleich, und ihre großen blauen Augen waren entweder vom Nachtwachen, oder vom Weinen geröthet.

Sie war, wie geſagt, haſtig und mit angſtvollen Mienen einge⸗ treten, jetzt, als ſie Gluck ſo feſt und kräftig, ſo ruhig und imponirend wie immer ſich gegenüber ſtehen ſah, lächelte ſie.

Kaiſer Joſeph. 1. Abth. II. 2