welches ſein ſonſt nicht ſchönes Antlitz mit einem wunderbaren Zauber verklärte, und von dieſer hohen gedankenvollen Stirn, an deren beiden Seiten dickes braunes Haay niederringelte, leuchtete der Genius, der dieſes Haupt geſegnet hatte mit dem Kuß der Weihe. Die Geſtalt dieſes Mannes war imponirend und ehrfurchtgebietend, wie ſein Haupt. Sein breiter, ſtolzer Rücken war trotz der Laſt ſeiner funfzig Jahre noch ungebeugt, ſeine vollen, kräftigen Schultern trugen noch leicht und jugendhaft ſein gedankenſchweres ſtolzes Haupt, ſeine ganze Haltung hatte etwas Stolzes, Ehrfurchtgebietendes, Selbſtbewußtes, wie es ſich für einen Fürſten oder für einen Genius geziemt.
Und Beides war dieſer Mann, ein gebietender Fürſt im Reiche der Geiſter, ein Genius, der dazu beſtimmt war, mit ſeinen Werken die Welt zu beherrſchen, und der Kunſt ein neues Leben einzuhauchen. Denn dieſer Mann war der Ritter Chriſtoph von Gluck, der Theater⸗ Kapellmeiſter der kaiſerlichen Oper zu Wien, der Sohn des Leibjägers des Prinzen Eugen von Savoyen, geboren im Jahre 1714 im Dorfe Weidenwang bei Neumarkt.*) Jetzt war dieſer Sohn des armen Jä gers Alexander und ſeiner Ehefrau Walburga Gluck, Dank ſeinem Genie, ein Mann, deſſen Ruhm ſchon halb Europa erfüllte, und den der Papſt zu Rom zum Cavaliere dello Sperone d'oro, zum Ritter des goldenen Spornes ernannt hatte. Zwanzig Opern und eine große Zahl von Symphonieen, Arien und andern einzelnen Tonſtücken hatten den Ruhm des deutſchen Meiſters durch ganz Italien getragen, in Mailand und Florenz, in Rom und Neapel ſangen die Sänger auf der Bühne und das Volk auf den Gaſſen die lieblichen Arien und Melodieen der Fedra, der Antigona, der Semiramide, des Telemaco, kannte, ehrte und pries Jeder den großen Componiſten Chriſtoph Gluck, während man in Deutſchland noch wenig von ihm wußte, während Wien die einzige deutſche Stadt war, in der man ſeine Opern auf führte, in der man mit Verehrung von dem Talent des Ritters Chri⸗ ſtoph Gluck zu ſprechen liebte.
Der Ritter Gluck alſo war es, der da heiliger Begeiſterung voll,
Chriſtoph Wilibald Ritter von Gluck. Deſſen Leben und tonkünſtle⸗ riſches Wirken. Von Anton Schmid. S. 11.


