Kraft, mein Gott, daß ich erfüllen kann, was ich vor Gottes Altar gelobt, daß ich meinen Gemahl glücklich machen kann. Er liebt mich, es wäre grauſam dieſes edle, argloſe Herz zu hintergehen, grauſam ihn aufzuwecken aus ſeinem ſchönen Traum! Nein, nein, Er mindeſtens ſoll glücklich ſein! Gieb mir Kraft, mein Gott, daß ich lis an's Ende ihm dieſen Traum erhalte, dieſen ſchönen Traum des Glücks!
II. Ritter Gluck.
Die Sonne war längſt aufgegangen, und hatte die Erde mit Licht und Glanz und Tageshelle übergoſſen, der helle Tag mit ſeinen Pflich⸗ ten und Arbeiten hatte ſchon für die Menſchen begonnen, ſie hatten ſich von ihren Lagern erhoben, und ihren Beſchäftigungen ſich zugewandt, denn der Tag war da, mit ſeinem Licht.— Nur in dieſem großen, mit koſtbaren Meubles, mit hohen Schränken voller Bücher angefüllten Zimmer hatte die Sonne noch nicht ihre Herrſchaft angetreten, nur da waren die dunkelroth ſeidenen Vorhänge noch nicht geöffnet, und auf dieſem großen, mit Papieren und Büchern angehäuften Tiſch, der da in der Mitte dieſes weitläuftigen, glänzenden Gemachs ſtand, flamm— ten auf zwei hohen ſilbernen Armleuchtern acht Stück heruntergebrannte, dicke Wachskerzen. Vor dieſem Tiſch ſaß ein Mann, und ſchaute ernſt und tiefſinnend auf das mit Noten beſchriebene Papier hin, das vor ihm auf dem Tiſche lag. Er hatte offenbar ſo die ganze Nacht geſeſ⸗ ſen und geſchrieben, denn viele mit Noten beſchriebene Blätter, deren Dinte faſt noch feucht war, lagen um ihn her, aber ſein Antlitz zeigte nichts von der Erſchlafftheit und Uebermüdung, welche ſonſt das Ergeb⸗ niß einer ſchlafloſen Nacht zu ſein pflegen. Seine großen blaugrauen Augen blitzten und flammten, wenn er, wie das oft geſchah, ſie von dem Notenblatt ſinnend zur Decke des Zimmers emporhob, ſein von Pockennarben ſtark zerfetztes Antlitz zeigte einen erhabenen, begeiſterten Ausdruck, um ſeine ſtarken vollen Lippen ſchwebte ein ſeliges Lächeln,


