Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Doch ſah ich, daß der Gott weinte, ſagte ſie. Armer, ſterblich geborner Freund, die Götter kennen keine Thränen, das Weinen iſt der Taufſchein unſeres Menſchenthums.

Oh, auch die Götter können weinen vor ſeliger Luſt, und ſo, Iſa⸗ bella, weinte ich!

Und möge Dich der Himmel niemals mehr andere Thränen wei⸗ nen laſſen, ſagte ſie innig. Aber horch, mein Gemahl, da ſchlägt die Schloßuhr die achte Stunde, und wir haben der Kaiſerin verſprochen, heute nicht wie geſtern den Abendzirkel zu verſäumen, ſondern pünktlich zu ſein. Sie wird uns ſchon erwarten. Laß uns alſo eilen, Toilette zu machen.

Wozu willſt Du Toilette machen? Biſt Du nicht immer die Schönſte und Geſchmückteſte? Komm, gieb mir den Arm, Du wirſt mit Deinem weißen Engelskleide und Deinem duftenden Bouquet von Roſen doch alle meine Schweſtern überſtrahlen! Komm!

Er wollte ihren Arm nehmen, aber ſie wehrte ihn ſanft zurück, und machte ihm eine tiefe ceremoniöſe Verbeugung.

Mein Herr Erzherzog und Gemahl!, ſagte ſie mit lächelndem Ernſt, wir haben vorher die geſtrenge Madame Etiquette von unſerm Balcon und aus dem Zimmer hier verbannt, aber Sie wiſſen es wohl, daß ſie uns vor der Thür erwartet, um uns mit feierlicher Würde zu dem Salon der regierenden Frau Kaiſerin zu begleiten. Die geſtrenge Dame Etiquette würde es mir aber nie verzeihen, wenn ich in ſolchem höchſt unceremoniellen Negligé mich ihr zu nahen wagte, und ihre Augen würden ſich mit Entſetzen von Ihrem Gewande ohne Stern und ohne Orden abwenden. Mein Herr Erzherzog, eilen Sie alſo, ein würdiges ſpaniſches Kleid anzulegen. Ich werde die Ehre haben, Sie in einer Viertelſtunde hier in voller Parure zu erwarten.

Sie wiederholte mit einem reizenden, ſchelmiſchen Lächeln 2 tiefe ceremoniöſe Verbeugung. Der Erzherzog, auf ihren Scherz eingehend, nahm eine feierliche, ernſte Miene an, und ſich ihr auf den Fußſpitzen nähernd, hob er mit einer höchſt zierlichen anſtandsvollen Armbewegung, wie die Tänzer im Ballet, ihre Hand an ſeine Lippen und küßte ſie.

Madame und gnädigſte Frau Erzherzogin, ſagte er dann, ich werde die Ehre haben, Ihren Befehlen zu genügen, und mich mit Orden nud