Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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men und Geſichten zu erwecken, und ſie wieder der Wirklichkeit, dem Leben zuzuführen. Mit einem Ausdruck ſchmerzvollen, zärtlichen Mit⸗ leids ſchaute ſie hinüber zu Joſeph, und das Lächeln, welches jetzt ihre Lippen umſpielte, hatte etwas Engelhaftes, Mildes, Erbarmungsvolles. Sie ſpielte weiter, aber die ſchwermüthigen, klagenden Töne miſchten ſich allgemach mit heiteren, leichteren Akkorden, die Diſſonanzen löſten ſich auf in reinere, hellere Harmonisen, die Wolken verſchwanden, die Sonne ſtieg empor, und auf einmal(mit jubelnder Freude rauſchte ein voller Strom der Freude von den Saiten nieder, klang es wie heller Jubel und jauchzende Freude.

Und bei dieſer reizenden Melodie ſanken die Hände von Joſeph's Antlitz nieder, und es ſtrahlte jetzt wieder in Schönheit und Luſt; ſeine glühenden Blicke begegneten den Augen Iſabellens, die mit einem in⸗ nigen, fragenden Ausdruck auf ihn gerichtet waren.

Tetide! Unſere Hochzeitsmuſik! jubelte der Erzherzog, und außer ſich vor Entzücken und Luſt, ſtürzte er zu Iſabellen hin, umfing er ſie, des Inſtruments nicht achtend und der angefangenen Melodie, mit ſei nen beiden Armen und hob ſie empor an ſeine Bruſt.

Ich danke Dir, Iſabella, ich danke Dir, ſagte er mit vor Rührung und Freude zitternder Stimme. Du haſt Recht, die Liebe hat ihre eigene Sprache, und Du haſt mir geantwortet in der Sprache der Liebe, ſie klingt noch in meinen Ohren in unſerm Hochzeitslied, in der Feſtmuſik, die Ritter Gluck für uns gedichtet. In dieſer Melodie ha⸗ ben ſich alle Schmerzen und alle Thränen aufgelöſt und geſänftigt zu ſeliger Harmonie, die Diſſonanzen meiner Vergangenheit haben ſich verklärt zu freudigen Melodieen, und mit dem Lied der Liebe haſt Du mir Antwort gegeben auf meine Frage. Oh ich danke Dir, ich danke, und nimmer werde ich dieſer Stunde vergeſſen!

Er bedeckte ihren Mund, ihre Augen mit ſeinen glühenden Küſ⸗ ſen, und Jſabella ließ es geſchehen; ſie ruhte ſtill und lächelnd in ſei⸗ nen Armen, in ihrer herabhängenden Hand noch das Inſtrument hal⸗ tend, auf dem ſie gefpielt.

Ja, ich habe Dich verſtanden, flüſterte Joſeph unter Küſſen, Du haſt mir geſagt, daß Du mich liebſt, und jetzt fühle ich mich unver⸗ letzlich, ſtark und machtvoll, wie einen Gott.

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