Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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4 7 betreten, da hatte ich ein Gefühl, als müßte ich entfliehen, weit, weit hin, wo mich Niemand kannte, wo Niemand mich zwingen konnte, einer Unbekannten meine Hand zu reichen. Sag', war ich nicht ein 4 herzloſer Barbar, ein todeswürdiger Verbrecher? Du warſt ein armes Fürſtenkind, und fühlteſt die Laſt Deiner

Ketten, weiter nichts! 1 Nein, nein, ich war ein Verbrecher, aber ich habe mein Verbrechen gebüßt, denn ſtatt der Ruhe und Stille, die ſonſt in meinem Herzen war, ſind jetzt Feuerflammen darin, und dieſe Flammen haben ſchon meine ganze Vergangenheit, mein ganzes früheres Sein und Denken aufgezehrt, und einen neuen Menſchen, ein neues glückſeliges Geſchöpf 1 aus mir gemacht. Und Du, Du biſt es, welche dieſe Flamme entzün⸗ det hat! Dir gehört mein ganzes Leben, mein ganzes Sein, und ohne Dich giebt es für mich hinfort kein Leben, kein Glück und keine Selig⸗ 4 keit. Ich liebe Dich, mein Gott, ich liebe Dich ſo grenzenlos, mit einer ſolchen Kraft, daß ich, wärſt Du ein Marmorbild, gleich dem 4 Pygmalion die Kraft der Liebe haben würde, Dein ſteinern Herz zu 4 beleben, und dem Marmor Empfindung einzuflößen. Oh es ſchmerzte mich wahrhaft, daß ich nur Ein Herz habe, um es Dir zu Eigen zu geben!*) Schlügen hundert Herzen in meiner Bruſt, ſie wären 6 alle Dein! 144141 Jſabella ſchaute mit einem milden Lächeln zu ihm nieder. Schwär⸗ mer, ſagte ſie mit dieſer weichen zitternden Stimme, welche wie Muſik in Joſeph's Ohren tönte. Schwärmer! Wer hundert Herzen zu ver⸗ 4 geben hat, hat gar kein Herz! In Einem Herzen, von Liebe erfüllt, 1 glüht die Kraft der Gottheit, denn die Liebe iſt die ſchönſte Offen⸗* barung Gottes! 4 Oh meine ſüße Prieſterin der Liebe! Wie ſchön weißt Du die 1 Myſterien unſerer Gottheit zu deuten. Denn nicht wahr, es iſt un⸗ 1 1 ſere Gottheit, Iſabella, nicht bloß die meine? Ich habe Dir jetzt ge⸗ 7 beichtet, nun ſchau mich an und beichte auch Du mir! Haſt Du mich* auch verwünſcht und gehaßt? War's Dir auch ein Greul, Dich einem fremden, unbekannten Menſchen zu vermählen? Dein Daſein zu ketten 794

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*) Joſeph's eigene Worte. Caraccioli. La vie de Joseph II. S. 11.