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Der Vater Staat will deshalb die Kinder, welche er adoptirt hat, nicht wieder herausgeben.
Sie ſagte das anſcheinend mit vollkommener Ruhe, nur in ihren Augen leuchtete ein Blitz des Zornes auf und ihre Lippen zuckten einen Moment zu einem verächtlichen Lächeln.
Der Staat will die Kinder, welche er adoptirt hat, nicht wieder herausgeben, wiederholte Guido, bebend und leichenbleich vor innerm Zorn. Der Staat will mich zwingen, ihm zu dienen, ihm den Eid der Treue zu ſchwören, der auf meinen Lippen zum Meineid wird, denn ich haſſe, ich verabſcheue dieſen Staat, der mein Vaterland unglücklich gemacht, der meine Lands⸗ leute zu Sclaven ſeiner Willkür gemacht hat.
Haſſe ihn, verabſcheue ihn, ſagte Katharina, ihre Hand heftig auf den Arm des jungen Mannes legend, ja, haſſe ihn, verabſcheue ihn, aber verbirg Deinen Haß und Deinen Abſcheu, bis die Stunde der Rache, der Vergeltung gekommen iſt. Trage das Deine dazu bei, daß dieſe Stunde endlich kommt. Ertrage die Laſt und den Zwang der Gegenwart, um die Zukunft vorzubereiten, dann dienſt Du dem Vaterlande beſſer, als wenn Du jetzt mit Deinem Vater in's Exil gehſt


