Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Was iſt die Welt ſo ſchön und ſo ſonnig, wenn ich mein liebes Weib im Arm halte, ruft er, ſie zärt⸗ lich an ſich drückend. Komm, mein Annerle, laß mich einen Augenblick hier ausruhen auf der Bank, denn ich bin müd', bin ſeit zwei Stunden geſtiegen. Komm, ſetz' Dich zu mir.

Kann Dich nit wohl anſchauen, wenn ich an Dei⸗ ner Seite ſitz', ſagt ſie und drückt ihn nieder auf die Bank und kauert ſich vor ihm nieder, um ihn anzu ſchauen mit freudig ſtrahlenden Augen.

Was hältſt denn da in Deiner Hand, mein An nerle? fragt er, auf die Blumen deutend, die ſie in ihren gefaltenen Händen hält.

Das Edelweiß von der Wildenſeealp iſt aufgeblüht in der Nacht und ich hab' Dir ein Sträußle davon gepflückt, ich geb' Dir ihn nachher.

Das iſt mein Edelweiß von der Wildenſeealp, ſagt er, zärtlich mit ſeiner Rechten ihr ſchönes braunes Haar ſtreichelnd. Geſegnet ſei Gott, Du geliebtes Weib, daß Du liebe Alpenblume mir erblüht biſt, daß ich mit Dir meine Bruſt ſchmücken darf.

Haſt's nimmer bereut, lieb Hannes, daß Du das arme dumme Annerle genommen haſt? fragte ſie mit glänzenden Augen, ihre beiden Arme liebevoll auf