Satz. Jetzt hat ſie deutlich Schritte gehört, Schritte,
6 die den Weg daher tönen, der von der Stadt kommt.
Ja, ganz gewiß, es kommt da Jemand. Wenn Er’s wäre?
Aber nein, ſie will ſich nicht umſehen, ſie hat nicht den Muth dazu. Ihr Herz ſteht ſtill, ſie verſucht zu ſingen, aber es kommt kein Ton aus ihrer Bruſt, ſie will umherblicken, aber es wird ihr ſo finſter vor den Augen— die Schritte kommen ja näher, immer näher. — Sie möcht' aufſchreien vor Angſt, aber ſie kann's nicht, ſie möcht' fortlaufen, aber ihre Füße ſind an den Boden gewurzelt, und doch ſchwankt ihre ganze Geſtalt, als wär's eine Lilie, die der Sturm bewegt, und wie eine Lilie ſo bleich iſt die Annerle.
Da faßt's ſie mit zwei ſtarken Armen und leiſe flüſtert's in ihr Ohr: Lieb Annerle, willſt meine Frau werden?
Sie kann nichts erwiedern, ſie kann nicht jauchzen, nicht weinen und nicht lachen. Sie liegt in ſeinen Armen, und das Haupt an ſeine treue ſtarke Bruſt gelehnt, ſchaut ſie mit ihren großen braunen Augen zu ihm empor. Aber in den großen braunen Augen ſpiegelt ſich der Himmel.


