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Und ſo ſind die drei Jahre vergangen und Anna's Wangen ſind nicht gebleicht, ihre braunen Augen haben noch ihr kühnes Jugendfeuer, ihre purpurnen Lippen das friſche Lächeln. Sie hat geſchafft, gewirkt, ihre Geſchwiſter erzogen, ihren Vater gepflegt, ſie hat ge hofft, geliebt und vertraut.
Die drei Jahre ſind vergangen. Der heutige Tag trägt das Datum des Briefes, den Anna vor drei Jahren von ihrem Hannes empfangen hat, und heute freilich iſt Annerle anders wie ſonſt.
Sie iſt früh in die Meſſe gegangen mit der Vroni, ihrer liebſten Freundin, ihrer einzigen Vertrauten, ſie hat inbrünſtiglich gebetet und dann, als ſie heimkehrte, hat ſie zum Vater geſagt: lieb Väterle, es hält mich heute nit daheim. Muß ganz allein ſein heute mit dem lieben Gott und ſtill ſein in Lieb' und Geduld. Ich geh' hinab zum Grundlſee, und da bleib' ich den ganzen Tag. Sollt's ſein, daß Jemand kommt, der nach mir fragt,— Du weißt ſchon, welchen Jemand ich mein'— ſo laß mich rufen. Kommt aber Nie mand, lieb Väterle, ſo verſprech' ich Dir, daß ich, wenn die Sonn' hinunter iſt, zu Dir heimkehr' und
mit Dir weiter leb' als Deine tapfre, brave Tochter. Nun leb' wohl, lieb Väterle!
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