Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 2. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

331

Ich erlaube Ihnen, ſich mit dem Mädchen, welches Sie lieben, zu vermählen, wie's auf jenem Papier geſchrieben ſteht. Aber das hebt doch die Bedingung nicht auf, unter der ich Ihnen früher ſchon mündlich meine Einwilligung verſprochen habe. Ja, ich gebe Ihnen meine Erlaubniß, ſich zu vermählen, aber Sie haben mir vor einem Jahr Ihr Ehrenwort gegeben, drei Jahre zu warten und in dieſen drei Jahren das Mädchen weder zu ſehen, noch an ſie zu ſchreiben.

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ich mein gegebenes Wort heilig halten und die Bedingung erfüllen werde, ſagte der Erzherzog ernſt und kalt. Ich werde alſo noch zwei volle Jahre zu warten haben, ehe ich mich verheirathe.

Wir werden ja ſehen, ob Sie nit bis dahin noch Vernunft annehmen. Sie aber, Frau Tochter, Sie können ſich bei dem Franzli hier bedanken, denn er hat für Sie den Heiraths⸗Procurator geſpielt.

Er nickte der Herzogin lebhaft zu, grüßte den Erz herzog mit einem Wink ſeiner Hand und verließ das Cabinet.

Nicht ſobald hatte ſich die Thür hinter ihm ge ſchloſſen, als Marie Louiſe zu ihrem Sohn hineilte und ihn mit leidenſchaftlicher Innigkeit in ihre Armg ſchloß.