Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 2. Band (1862)
Entstehung
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laſſen, dann hättet Ihr mich umgebracht vor Zorn und Wuth! Geht, Thomas, geht! Ich rath' Euch, denkt nit mehr daran, mich heirathen zu wollen, denn ich ſag's Euch, ich würd's nimmer vergeſſen, daß ich Euch einmal geohrfeigt hab' und daß Ihr's Euch ge fallen ließt, und ſo könnt's geſchehen, daß ich, wenn ich halt ärgerlich wär', leicht einmal vergäß', daß Ihr mein Herr wär't und Euch ohrfeigt', als wär't Ihr noch immer blos mein Spielkamerad..

Und wenn ich mir das gern und ohne Murren gefallen ließ, Annerle?

Dann wär't Ihr ein ganz erbärmlicher Burſch,

rief ſie in eifrigem Zorn, dann müßt' ich Euch halt

verachten aus Herzensgrund. Ich ſag's Euch, Thomas, wir paſſen nit für einander, wir haben uns auch zu lang' ſchon gekannt, um uns lieben zu können. Es wär' doch auch gar närriſch, Thomas, wenn ich plötz⸗ lich Euch lieben ſollt', da ich Euch doch ſo lang gut geweſen bin.

Aber, Annerle, das iſt ja ganz daſſelbigte

Di

ing, Tlieben und ſich gut ſein!

Nein, das iſt noch lang' nit daſſelbigte Ding.

Seht Ihr wohl, daß wir gar nit zuſammen paſſen?

Ihr wißt noch nicht einmal, was lieben heißt!