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Und wovon wißt Ihr's denn, Annerle?
Ich weiß es, Thomas, weil ich es fühl'! Der Mann, den ich lieben ſoll, den muß mir der liebe Herr Gott ganz expreß vom Himmel herunterſchicken, der muß plötzlich wie aus einer goldenen Wolke vor mich hintreten und muß groß und prächtig wie ein König vor mir ſtehen und ſeine Stimme muß wie die heilige Orgel in der Kirch' klingen, und mit dieſer Stimm' muß er ſagen: Annerle, komm her zu mir! Ich liebe Dich und Du ſollſt mein Weib ſein! Und ich ſink vor ihm demüthig und andachtsvoll in die Kniee und alle Engel im Himmel jauchzen mit mir, und es iſt mir, als hab' ich den lieben Gott ſelber ſprechen gehört. Ich ruf: Nimm mich hin, ſei mein Herr! Ich will Dich lieben, Dir gehorchen und Dir unterthan ſein in Freuden und Demuth! Seht, ſo muß es ſein, wenn für mich der Rechte kommt! Und einen Andern als den Rechten nehm' ich nit. Ich bin ja noch jung, kann halt noch lange warten! Bin erſt ſechszehn Jahr, und wenn mir der liebe Herr Gott den Rechten auch erſt in zehn Jahren ſchickt, ſo iſt's immer noch zeitig genug. Mein lieb Mütterle im Himmel wird ſchon dafür beten, daß mir der Rechte
auch zur rechten Zeit kommt. Ihr aber, Thomas,


