14
langweilig, und giebt keine Emotionen. Aber ſchlimme und unheilvolle Nachrichten zu überbringen, das iſt ein pikantes Vergnügen, denn man kann dabei den Cha⸗ racter der Menſchen ſtudiren, und hinter der Maske ihres freundlichen hübſchen Angeſichts oft die häßliche boshafte Fratze ſchauen. Indeß würde ich zu dieſem Zweck niemals zu Ew. Excellenz kommen, denn Ihnen gegenüber würde es mir ſchmerzlich ſein, als des Un⸗ glücks Bote zu erſcheinen, ich würde es lieber mit Ihnen theilen, ſtatt es zu verkünden.
Und was ſollte aus Ihrem eigenen Ehrgeiz werden, wenn ich Unglück hätte? fragte Metternich. Wenn ich fiele, wären Sie auch in großer Gefahr zu ſtürzen, und Sie werden mir deshalb niemals Ihre Hand ver⸗ ſagen, um gemeinſchaftlich mit mir weiter zu wandern. Nun alſo, ſagen Sie, was giebt es?
Nichts weiter, Excellenz, als daß ich Sie warnen wollte. Der Kaiſer, fortwährend von ſeiner Gemahlin beſtürmt, beginnt zu ſchwanken, und die geheime, ſtets nur unterdrückte Luſt, dem verhaßten Schwiegerſohn endlich ſtatt des ſchwiegerväterlichen Lächelns die Zähne zu zeigen, ſtatt des freundſchaftlichen Händedrucks ihm die Fauſt entgegen zu ballen, und Revanche zu nehmen für die Scene am Nachtfeuer von Auſterlitz, für die


