— 123—
Als der Landrath am nächſten Morgen kam, brachte er die freudige Kunde mit, daß Kitzert mit dem Gelde in Hamburg ergriffen worden ſei. Kitzert hatte denſelben Weg, den ſchon Mancher dieſer Kaſſendiebe gemacht hatte, machen wollen. Er beabſichtigte eine Reiſe nach Amerika. Vor ſeiner Flucht hatte er aber Alles, ſeine Abreiſe, ſeine Ankunft mit dem Nachtzuge in Hamburg und den Abgang des Schiffes genau berechnet, daß nach ſeinem Plane er ſchon auf dem Dampfer war und die Elbe hinabſchwamm, ehe man in Wiegenau überhaupt etwas Verdächtiges merkte.
Wie er es voraus ausgeklügelt hatte, war es auch wirklich eingetroffen. Die ihn verfolgende telegraphiſche Depeſche langte erſt in Hamburg an, als er bereits auf See war.
Allein Herr Kitzert hatte bei all ſeiner Klugheit Einen nicht mit in die Berechnung gezogen, nämlich unſern„Herr⸗ gott,“ ohne deſſen Willen aber kein Haar von unſerm Haupte, kein Sperling vom Dache fällt.
Als ſie kaum auf der See waren, erhielt die Maſchine des Dampfers einen Schaden und mußte wieder nach Hamburg zurück. Kaum aber war man in den Hafen eingelaufen, kamen auch ſchon einige Herren von der Po⸗ lizei an Bord und brachten Herrn Kitzert zur Haft.
Die Nachricht von der Abfaſſung Kitzerts und der Er⸗ haltung des Geldes wirkte merkwürdig ermuthigend auf alle Gemüther.
Es begann ein ganz neues Leben im Dorf. Ein Fleiß


