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Der Wolkenbruch in der Wiegenau : eine Geschichte aus unserer Zeit : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
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Ton an. Es war eine unvergeßlich ſchöne Zeit geweſen in dem herrlichen grünen Wiegenau.

Der Diehls⸗Vetter hatte ſich bereits verlobt und der Lilien⸗Schuſter auch. Er hatte ein wunderbar liebliches, ſittſames Mädchen gefunden, das er als Gattin heimführen wollte. Es war die Mutter von Marie, der Schwieger⸗ tochter des Diehls⸗Vetters und hieß auch Marie.

Beide waren ſich mit einer unausſprechlichen Innigkeit zugethan. Der Lilien⸗Schuſter trug einen ganzen Himmel voll Luſt und Liebe in ſeinem Herzen herum.

Damals heirathete der Diehls⸗Vetter. Nun wollte der Lilien⸗Schuſter auch heirathen.

Das Heirathen war aber in jener Zeit ſchwieriger als jetzt. Es mußte ein Jeder, der heirathen wollte, erſt Bürger in einer Gemeinde werden oder wie es hieß: eine Gemeinde mußte ihnrecipiren. Zu dieſemRecipiren konnte aber keine Gemeinde gezwungen werden. Im Gegentheil hatte die Gemeinde das Recht ſogar ohne irgend welche Angabe von Gründen Einen abzuweiſen. Die Armen wurden dabei faſt regelmäßig abgewieſen. Beſonders waren ſo reiche und ſtolze Gemeinden wie Wiegenau darin unbarmherzig. Wer aber nun das Bürger⸗ recht nicht bekam, durfte nicht heirathen.

Der Lilien⸗Schuſter war guten Muthes geweſen. Er war allerdings ein armer Teufel und ſeiner Braut Eltern beſaßen auch Nichts, als ein Häuschen und ein Paar Läppchen Feldgut. Aber er dachte, ſein Fleiß, ſeine