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Der Wolkenbruch in der Wiegenau : eine Geschichte aus unserer Zeit : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
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ſeinem letzen Beſuch bei ihm Jeden für ſeinen Freund erklärt hatte, der den Wiegenauern einen Schabernak anthäte, hatte zum Zorn gegen die Wiegenauer eine gewiſſe Berechtigung.

Als er noch jung war, war er Geſell geweſen in Wiegenau bei dem Großvater des jetzigen Fabrikanten Eduard Lehmann. Der alte Balthaſar Lehmann ſo hieß er war nämlich damals der einzige Schuhmachermeiſter in der Wiegenan.

Der Lilien⸗Schuſter galt aber zu der Zeit für einen gewichſten Burſchen, wie man wohl mit dem meiſten Recht von einem Schuſtergeſell ſagen darf. Er hatte trotz ſeiner Jugend ſchon ein ſchönes Stück Welt geſehen und neben einer unbezwinglichen Luſtigkeit leuchteten aus ſeinen ſchwarzen Augen viel Verſtand und Gefühl. Er ſang und pfiff den ganzen Tag, denn er kannte alle Lieder und noch ein Paar mehr. Aber er machte auch einen Schuh ſo ſauber und paſſend, daß man bis nach Paris hätte gehen müſſen, um ein Zweites zu ſehn. Dabei war er treu, brav und geſittet.

Obgleich er ein einfacher Geſell war, ſcheuten ſich Bauernſöhne nicht mit ihm umzugehen. Der Diehls⸗Vetter, der damals auch noch ein junger Burſche war, war bald mit ihm ein Herz und eine Seele.

Beide waren unſtreitig die hervorragendſten in der jungen Welt des Dorfes und gaben bei allen Spielen, Geſängen und Luſtbarkeiten, die aufgeführt wurden, den