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Der Wolkenbruch in der Wiegenau : eine Geschichte aus unserer Zeit : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
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ſeinem ſchwer mit goldenem Weizen beladenen Wagen ſich ſtolz und breit auf den Fruchtmarkt in der Stadt hin⸗ ſtellen. Umſonſt warteten dieſes Jahr und noch mehrere Jahre die Hausfrauen in der Stadt auf die Wiegenauer Aepfel und die ſtaatlichen Weißkraut⸗Köpfe. Auch die Metzger konnten noch lange ſogenannteMetzgergänge machen, bis ſie einmal wieder wie früher die fetteſten Ochſe Hämmel und Schweine in der Wiegenau antrafen.

Vor der Hand aber fehlten ſogar die Wege nach dem unglückſeligen Orte. Auch die Wege hatte die Fluth zer⸗ ſtört. Wer ſollte aber die Wege wieder herſtellen, wenn die Gemeinde⸗Kaſſe keine Einnahmen mehr hatte, keine Bauſtämme, kein Brandholz mehr verkaufen konnte?

Doch bis es wieder einen ordentlichen Weg nach Wiegenau gab, können wir nicht warten. Wir müſſen uns durch den angehäuften Sand, durch Geröll, Schutt und Gehölz durcharbeiten, um einen Blick zu thun in den jammervollen Zuſtand des Dorfes ſelbſt.

Wer früher Wiegenau gekannt hatte, kannte es nicht wieder. Nur einzelne Häuſer waren unverſehrt geblieben und gaben durch ihren blanken Aufputz und durch ihre blinkenden Fenſterſcheiben Zeugniß, wie nett und ſauber ja faſt ſtädtiſch das Dorf ausgeſehen haben mochte. Treu ſchützende Birnbäume, die gerade vor dieſen Wohnungen ſtanden, und der uralte mächtige Lindenbaum des Ortes hatten in hartem Kampfe den Anprall der ſchrecklichen Fluth von dieſen Häuſern abgewehrt; ſonſt hatten die Waſſer faſt