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Der Wolkenbruch in der Wiegenau : eine Geschichte aus unserer Zeit : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
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einzelnen Körner. In einigen Sekunden waren alle Fen⸗ ſterſcheiben in der Wiegenau in Stücken und von den Dächern raſſelten die zerbrochenen Ziegel herunter. Aber was waren zerbrochene Fenſterſcheiben und Dachziegel gegen die Verwüſtung auf dem Felde, wo alle grünende Saat zu Brei gequetſcht und alle wogenden Fruchtfelder, wie Tennen zuſammen geſchlagen wurden.

Ein Wehſchrei entrang ſich der Bruſt der ſchrecklich geſchädigten Gemeinde.

Ach die Unglücklichen ahnten noch nicht, welcher weit größere Verluſt und welche Gefahr ihnen noch nahe bevor⸗ ſtanden. In den dichten Regenſchauern hatte Niemand etwas von dem Wolkenbruch geſehen, der dicht oberhalb Wiegenau gefallen war. Aber ſchon ſtürzten die Waſſer heulend und brauſend die Bergwände herunter Felſen mit ſich führend und Bäume entwurzelnd und ſammelten ſich im Wiegenauer Thale zu einem gewaltigen verheerenden Strome, der wild und reißend durch Felder und Wieſen dahertobte.

Der Diehls⸗Vetter und ſeine Genoſſen machten oben auf dem Acker das ganze Unwetter mit. Sie hatten die durch den erſten Windſtoß verurſachte Verwirrung unter ihren Garben wieder herzuſtellen geſucht. So ſehr ſie ſich in ihrer Arbeit beeilten, um noch vor Ausbruch des Wetters auf den Heimweg zu kommen, ſo wenig gelang es ihnen. Wiederholte Windſtöße brachten auch wiederholten Umſturz der Garbenhäuſer hervor. Sie wollten aber durchaus das, was ſie bereits geſchnitten und in Garben gebunden hatten,