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zu harmoniren. Die Anderen verſtanden ihn nicht oder wollten ihn nicht verſtehen.
Doch hatte der alte Mann trotz ſeiner ſchlimmen Er⸗ fahrungen und ſeines Alters— er war ein ſtarker Sech⸗ ziger— ſich eine beſondere Geiſtesfriſche und vor Allem ein unbedingtes Gottvertrauen bewahrt.
Der Diehls⸗Vetter war ein wohlſtehender Bauer drun⸗ ten in der„Wiegenau“, wie Dorf und Landſchaft zugleich genannt wurden und war vollſtändig nach„Wiegenauer Tracht“ gekleidet. Das heißt, er trug friſch gewaſchene blauleinene Hoſen und ein blauleinenes Wamms, keine Weſte, ſondern ein offenes ungeſtärktes, aber blüthenweißes Hemd mit liegendem Kragen, aus deſſen Oeffnung eine behaarte
Bruſt ſichtbar wurde. Die Füße ſtacken in ein Paar ſchwe⸗
ren, rindsledernen Schuhen und ſein krauſes, aber eisgraues Kopfhaar war mit einer gewobenen Zipfelmütze bedeckt.
Die Wiegenau nannte man darum wohl das ſehr fruchtbare, bald enge, bald breitere, von einem Bach durch⸗ floſſene Thal, weil es mit ſeinen niedrigen Seitenwänden von oben betrachtet eine wirklich überraſchende Aehnlichkeit mit einer Wiege hatte. Der himmelhohe, kegelförmige Berg aber, der das Thal von Norden her beherrſchte und der oft eine ſtarke Nebelhaube trug, konnte bei einiger Einbil⸗ dungskraft für die bei der Wiege ſitzende Großmutter gelten.
Das Dorf jedoch, das mitten im Thale hell und freund⸗


