herrliche, hochaͤugige Spanierinn im Triumph aufzufuͤh⸗ ren, deren volle Bruſt, ihre gluͤhenden Wangen, ihre heißen Augen, die Welt rings umher zu fragen ſchienen: Bin ich nicht meines Begleiters werth? und d in ihrem Uebermuth den ſeidnen Schlepprock ſo weit hinten aus im Winde ſegeln ließ, als moͤglich, um ihre Erſchei⸗ nung anſehnlicher und wuͤrdiger zu machen.— Und nun erſcheint der Herr— und allen Leuten verſagt das Wort im Munde— kommt angezogen mit ſeiner trip⸗ pelnden, kleinen, hohlaͤugigen Franzoͤſinn, der die Aus⸗ zehrung aus allen Gliedern ſpricht, wenn ſie gleich ihre Todtenfarbe mit Weiß und Roth uͤberpinſelt hat. O Bruder, ich werde raſend, ich laufe davon, wenn mich nun die Leute zu packen kriegen, und fragen und quaͤ⸗ ſtioniren und nicht begreifen koͤnnen—
Clavigo(ihn bey der Hand faſſend). Mein Freund, mein Bruder, ich bin in einer ſchrecklichen Lage. Ich ſage dir, ich geſtehe dir, ich erſchrak als ich Marien wieder ſah! Wie entſtellt ſie iſt,— wie bleich, abge⸗ zehrt! O das iſt meine Schuld, meiner Verraͤtherey!—
Carlo s. Poſſen! Grillen! Sie hatte die Schwind⸗ ſucht, da dein Roman noch ſehr im Gange war. Ich ſagte dir's tauſendmal, und— Aber ihr Liebhaber habt keine Augen, keine Naſen. Clavigo, es iſt ſchaͤndlich! So Alles, Alles zu vergeſſen, eine kranke Frau, die die 3 Peſt unter deine Nachkommenſchaft bringen wird, daß alle deine Kinder und Enkel ſo in gewiſſen Jahren hoͤflich
Goethe's Werke. VI. Bd. 1 28


