Teil eines Werkes 
6. Band (1816)
Entstehung
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Clavigo. Die Welt urtheilet nach dem Scheine. Ol wer Mariens Herz beſitzt iſt zu beneiden!

Carlos. Was die Sache iſt ſcheint ſie auch. Aber freylich dacht' ich daß das verborgene Qualitaͤten ſeyn muͤſſen, die dein Gluͤck beneidenswerth machen; denn was man mit ſeinen Augen ſieht, mit ſeinem Menſchen⸗ verſtande begreifen kann

Clavigo. Du willſt mich zu Grunde richten.

Carlos. Wie iſt das zugegangen? wird man in der Stadt fragen. Wie iſt das zugegangen, fragt man bey Hofe. Um Gottes willen, wie iſt das zugegangen? Sie iſt arm, ohne Stand; haͤtte Clavigo nicht einmal ein Abenteuer mit ihr gehabt, man wuͤſſte gar nicht, daß ſie in der Welt iſt. Sie ſoll artig ſeyn, angenehm, witzig! Wer wird darum eine Frau nehmen? Das vergeht ſo in den einen Zeiten des Eheſtands. Ach! ſagt Einer, ſie ſoll ſchoͤn ſeyn, reizend, ausnehmend ſchoͤn. Da iſt's zu begreifen, ſagt ein Anderer

Clavigo(wird verwirrt, ihm entfäͤhrt ein tiefer Seuf⸗ zer.) Ach!

Carlos. Schoͤn? O! ſagt die Eine, es geht an! Ich hab' ſie in ſechs Jahren nicht geſehn. Da kann ſich ſchon was veräͤndern, ſagt eine Andere. Man muß doch Acht geben, er wird ſie bald produciren, ſagt die Dritte. Man fragt, guckt, man geht zu Geſallen, man war⸗ tet, man iſt ungeduldig, erinnert ſich immer des ſtolzen Clavigo, der ſich nie offentlich ſehen ließ, ohne eine