Teil eines Werkes 
6. Band (1816)
Entstehung
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lige Nebenſchoͤßlinge; es gibt vielleicht einen ſtarken Buſch, aber der ſtolze koͤnigliche Wuchs des erſten Schuſ⸗ ſes iſt dahin. Und denke nur nicht daß man dieſe Hei⸗ rath bey Hofe gleichguͤltig anſehen wird. Haſt du ver⸗ geſſen was fuͤr Maͤnner dir den Umgang, die Verbin⸗ gung mit Marien mißriethen? Haſt du vergeſſen wer dir den klugen Gedanken eingab ſie zu verlaſſen? Soll ich ſie dir an den Fingern herzaͤhlen?

Clavigo. Der Gedanke hat mich auch ſchon ge⸗ peinigt, daß ſo Wenige dieſen Schritt billigen werden.

Carlos. Keiner! Und deine hohen Freunde ſollten nicht aufgebracht ſeyn, daß du, ohne ſie zu fragen, ohne ihren Ratb, dich ſo geradezu hingegeben haſt, wie ein unbeſonnener Knabe auf dem Markte ſein Geld gegen wurmſlichige Nuͤſſe wegwirft?

Clavigo. Das iſt unartig, Carlos, und uͤbertrieben.

Carlos. Nicht um einen Zug. Denn daß einer aus Leidenſchaft einen ſeltſamen Streich macht, das laſſ' ich gelten. Ein Kammermaͤdchen zu heirathen, weil ſie ſchoͤn iſt wie ein Engel! Gut, der Menſch wird getadelt, und doch beneiden ihn die Leute.

Clavigo. Die Leute, immer die Leute.

Carlos. Du weißt ich frage nicht aͤngſtlich nach Andrer Beyfall, doch das iſt ewig wahr: wer nichts für Andre thut thut nichts fuͤr ſich, und wenn die Men⸗ ſchen dich nicht bewundern, oder beneiden, biſt du auch nicht gluͤcklich.