Teil eines Werkes 
6. Band (1816)
Entstehung
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Martin. So ſeyd ihr Goͤtz von Berlichingen! Ich danke dir, Gott, daß du mich ihn haſt ſehen laſſen, dieſen Mann, den die Fuͤrſten haſſen, und zu dem die Bedraͤng⸗ ten ſich wenden.(Er nimmt ihm die rechte Hand.) Laſſt mir dieſe Hand, laſſt mich ſie kuͤſſen!

Goͤtz. Ihr ſollt nicht..

Martin. Laſſt mich! Du, mehr werth als Reli⸗ quienhand, durch die das heiligſte Blut gefloſſen iſt, tod⸗ tes Werkzeug, belebt durch des edelſten Geiſtes Vertrauen auf Gott!

Goͤtz(ſetzt den Helm auf und nimmt die Lanze.)

Martin. Es war ein Moͤnch bey uns vor Jahr und ag, der euch beſuchte, wie ſie euch abgeſchoſſen ward vor Landshut. Wie er uns erzaͤhlte, was ihr lit⸗ tet, und wie ſehr es euch ſchmerzte zu eurem Beruf ver⸗ ſtuͤmmelt zu ſeyn, und wie euch einfiel, von einem gehoͤrt zu haben, der auch nur eine Hand hatte, und als tapfe⸗ rer Reitersmann doch noch lange diente ich werde das nie vergeſſen.

Die zwey Knechte(kommen.)

Goͤtz(zu ihnen. Sie reden heimlich.)

Martin(faͤhrt inzwiſchen fort.) Ich werde das nie vergeſſen, wie er im edelſten, einfaͤltigſten Vertrauen auf Gott ſprach: und wenn ich zwoͤlf Haͤnd' haͤtte und deine Gnad' wollt' mir nicht, was wuͤrden ſie mir fruchten.

So kann mit Einer Goethe's Werke. VI. Bd. 2