IX.
Die Liebende abermals.
Warum ich wieder zum Papier mich wende?
Das mußt du, Liebſter, ſo beſtimmt nicht fragen: Denn eigentlich hab' ich dir nichts zu ſagen; Doch kommt's zuletzt in deine lieben Haͤnde.
Weil ich nicht kommen kann, ſoll was ich ſende Mein ungetheiltes Herz hinuͤber tragen Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzuͤcken, Plagen: Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende.
Ich mag vom heut'gen Tag dir nichts vertrauen, Wie ſich im Sinnen, Wuͤnſchen, Waͤhnen, Wollen Mein treues Herz zu dir hinuͤber wendet,
So ſtand ich einſt vor dir, dich anzuſchauen Und ſagte nichts. Was haͤtt' ich ſagen ſollen? Mein ganzes Weſen war in ſich vollendet.
—,.— X.
Sie kann nicht enden.
Wenn ich nun gleich das weiße Blatt dir ſthickte, Anſtatt daß ich's mit Lettern erſt beſchreibe, Ausfuͤllteſt du's vielleicht zum Zeitvertreibe Und ſendeteſt's an mich, die Hochbegluͤckte.
Wenn ich den blauen Umſchlag dann erblickte;
Neugierig ſchnell, wie es geziemt dem Weibe,
Riß' ich ihn auf, daß nichts verborgen bleibe;
Da laͤſ' ich was mich mundlich ſonſt entzuͤckte.


