Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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Außerdem hatte Girardiere eine ſehr gute Er⸗ ziehung genoſſen; überhaupt waren ſeine Manieren fein und höflich, auch war er gerade nicht albern und wäre vielleicht ohne jene unſelige, tolle Sucht, allen Frauenzimmern Liebe einflößen zu wollen, liebens⸗ würdig geweſen, eine Sucht, welche mit der Zeit, an⸗ ſtatt abzunehmen, zunahm und ſich über jeden Korb hinwegſetzte.

Girardiére wendete nun ene⸗ Blicke, ſeine Anſprüche und Seufzer der großen Welt zuz die Leichtigkeit, mit den Damen, die ihm geſielen, zu plaudern, überzeugte ihn, daß er zu einem ſchnellern Erfolg gelangen würde und daß es ihm dort viel leichter wäre, Liebesver⸗ hältniſſe anzuknüpfen; er wollte ſeine verlorene Zeit wieder hereinbringen, und kaum hatte er ſich drei Mal in einem Haus eingefunden, ſo hatte er ſchon vier Liebeserklärungen gemacht.

Es gibt ein Mittel, ſchnell eine Liebſchaft herbei⸗ zuführen und bei einer Schönen nicht fehl zu gehen; allein es beſteht nicht darin, daß man allen Frauen⸗ zimmern nachläuft, ihnen mit aller Gewalt zuſetzt und ſie Viertelſtunden lang unausgeſetzt anſchaut, wie wenn man glaſirte Augen hätte. Man machte ſich über die Seufzer, Liebesblicke und Liebeserklärungen dieſes Herrn luſtig. Seine Verliebtheit, ſeine ſchnelle Liebesflamme wurde zum Sprichwort. In vielen Häuſern ſagte man bei Tiſch anſtatt:das iſt ein zärtliches Liebesbriefchen! lachend zu einander:das iſt wohl ein Liebesbriefchen von Girardière! In Frankreich, namentlich in Paris, wo man Einem das