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ſteckt beſtändig in meiner Küche hinter meinem Rücken und will mich lateiniſch lehren; indem ich nun die Worte, die er mir vorſagte, im Gedächtniß behalten wollte, mißriethen mir die Ragouts.“
Da den Eltern durchaus nicht daran liegt, daß ihre Magd lateiniſch ſpricht, ſondern ihnen ein gutes Mittageſſen die Hauptſache war, ſo jagten ſie Tour⸗ loure fort und der kleine Girardièére mußte ſeine Blicke anderswohin richten.
Solche Auftritte kündeten eine den Freuden der Liebe ſehr ergebene Jugend anz indeß war dem nicht ſo, denn es genügt nicht, ſehr verliebt zu ſein und für alle Frauenzimmer, die nicht durchaus abſchreckend ſind, leidenſchaftlich zu entbrennen, man muß auch zu gefallen und zu verführen wiſſen, die Gabe, den Geiſt und das Talent haben, Eroberungen zu machen, und gerade dieß beſaß Herr Theophilus Girardiére trotz aller Mühe, die er ſich gab, nicht.
Mit zwanzig Jahren hegte der junge Girardiére immer fünf bis ſechs Liebſchaften in ſeinem Herzen.
„Kaum betrat er eine Straße, ſo fand er vollauf zu thun. Ging ein eiwas hübſches Frauenzimmer mit einem großen Shawl vorbei, das ihn zufällig anſah, ſo bildete er ſich ſchon ein, ſie beobachte ihn auf⸗ merkſam, und dieß reichte hin, daß er ſich in ſie ver⸗ liebte. Dann folgte er der Dame mit dem großen Shawl auf dem Fuße nach, wagte an ſie einige
Worte und Redensarten, welche er für ſehr geiſtreich hielt, die aber, wie alle in dergleichen Fällen, höch⸗ ſtens thöricht waren. Man gab ihm ſehr trocken zur


