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Plätzchen für die Liebe, denn„man muß lieben,“ ſagt Voltaire,„dieß erhält uns, und ohne zu lieben, iſt
es traurig, ein Menſch zu ſein.“
Doch Herr Girardiere hatte dieſe Lehre vielleicht übertrieben. Von Kindheit an hatte er Beweiſe von ſeinem Hang zur Zärtlichkeit gegeben: er verehrte die Vögel, liebkoste die Katzen, weinte acht Tage lang über die Abweſenheit ſeines Hundes. Als Knabe verliebte er ſich in die Köchin ſeiner Eltern, ein dickes Land⸗ mädchen. Der kleine Girardiere ſteckte immer in der Küche, lernte dort die Anfangsgründe im Latein, und um mit der dicken Tourloure(ſo bieß die Magd) oft in Berührung zu kommen, ſetzte er ſich in den Kopf, ſie lateiniſch zu lernen.
Während Tourloure ein Täubchen rupfte und Spinat kochte, betrachtete das Männchen ſie ganz genau und ſagte zu ihr:„Amo, Tourloure, amo tibi! ah, willſt Du mit mir das Zeitwort amare conjugiren?“— „Wie, was ſoll Ihr amo heißen? heißt Der ſeitwärts
von unſerm Haus ſo, mit dem ich Sonntags auf den
Tanz gehe?“—„Davon iſt keine Rede, ich ſpreche mit Dir lateiniſch, ich will Dich lehren, wie man in einer todten Sprache ſagt: ich liebe Dich!“—„Laſſen
Sie mich lieber meine Saucen machen!“—„Das
hindert Dich nicht, o Tourloure! mulier! mulieris!“— „Ei, warum heißen Sie mich mulier; das iſt nicht mein Name, ich heiße Tourloure Desmignart.“— „Gleichviel! Du biſt ein Frauenzimmer... Gott! die Frauenzimmer... ich möchte nur muliebre bellum
„ gerere.“—„Ach mein Gott, ſchwören Sie...—


