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Gegen fünf Uhr kommt Herr Girardiere in dem Speiſeſaal an.
Herr Girardisre iſt volle neunundvierzig Jahre alt, möchte aber nie älter als dreißig ſein und bietet Allem auf, dieß zu ſcheinen. Er iſt kein ſchöner Mann, von mittlerer Größe, und um den Anſatz ſeines Dick⸗ bauchs zu verbergen, ſchmückt er ſich immer fürchterlich; zu einem hübſchen Jüngling fehlt ihm viel, denn ſeine grünlich⸗grauen runden Augen mit rothem Rande nebſt der Brille, die er nie ablegt, geben ihm ein höchſt ſon⸗ derbares Ausſehenz ſeine Naſe iſt zu platt, ſein Kinn zu ſpitzig, ſein Mund zu groß, doch weiß Herr Gi⸗ rardiére bei all' dem ſich eine ſehr angenehme Phy⸗ ſiognomie zu geben, welche ex nie verliert, wenn ihm nicht außerordentliche Zufälle begegnen. Endlich iſt er immer ſehr ſauber und ſorgfältig gekleidet, und na⸗ mentlich zu ſtolz, als daß er eine Perrüke oder falſche Locken trüge; freilich ſind ſeine hellblonden Haare auf
dem Scheitel ſehr dünn, allein jene oberhalb der Ohren trägt er abſichtlich ſehr lang und ſtreichelt ſie mit Ge⸗ ſchicklichkeit auf die Seite, um ſeine hohe, lange Stirne zu beſchatten.
Sie ſehen aus all' dem, daß Herr Girardiere zu gefallen ſucht; er hat ein ſehr verliebtes Herz, ver⸗ ehrt das ſchöne Geſchlecht, und die Liebe macht die Hauptbeſchäftigung ſeines Lebens aus.
Es gibt wenig Perſonen, welche dieſes Gefühl nicht gekannt und ihm nicht ſüße Stunden geweiht hätten. Selbſt Solche, die von andern Leidenſchaften beherrſcht werden, finden in ihrem Herzen noch ein
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