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ward ich mit ihr von einem rnſſiſchen Befehlshaber weg⸗ geführt, ſie pflegte beſtändig meine Jugend, bis der Tod ſie von mir riß.“
„Es iſt genug; Du biſt es— Dubiſt mein Sohn, mein lang betrauerter Sohn. Es bedarf nicht weiter, um mich zu überzeugen,“ rief der Häuptliug, indem er den Jüngling in ſeine Arme drückte, während Thränen der Freude aus ſeiner lange verſiegten Thränenquelle ſeine Augen füllten.
„Bin ich! bin ich, edler Häuptling, Dein Sohn?“ rief der Jüngling, nicht weniger gerührt, und fiel auf die Kniee nieder, indem er die Umarmung ſeines neu⸗ gefundenen Vaters erwiederte.„Schenkt mir der Him⸗ mel in der That dieſen großen Segen? Sehe, ich trug von Kindheit an dieſes Amulet und habe es immer als Heiligthum bewahrt. Dieß mag meine Geburt erweiſen.“
Ich habe keinen Beweis nöthig, um zu glauben, daß Du mein Sohn biſt. Die Natur ſpricht laut für Dich, doch erinnere ich mich dieſes Amulets ganz wohl,“ rief der Häuptling. Du biſt in der That mein Sohn, und Allah ſey für ſeine Güte geprieſen. Ich fühlte es als ich Dich zuerſt gleich einem Schutzengel an meiner Seite fechten und mich vom Tode erretten ſah; ich fühlte es als ich zuerſt Deine männliche Stimme Dein Gefolge zum Gefecht ermuntern hörte. Ja, mein Herz ſchlug freudig darüber, daß ein neuer Krieger die Sache der Atteghei verfocht; und der Himmel iſt Zeuge, wie ſtolz und dankbar ich nun bin. Sehen Sie, Häuptlinge, ich ſtelle Ihnen hier meinen Sohn vor. Der gütige Him⸗ mel hat mir den einzigen Wunſch, den ich hatte, erfüllt,“ fügte er bei, indem er ſeinen Sohn aufhob.“„Nachdem Sie Alle Zeugen ſeiner Tapferkeit waren, koͤnnen Sie ermeſſen, wie ſtolz ich auf ihn bin.“.
„Habe ich nicht auch eine Schweſter, mein Vater? laſſe ſie unſere Freude auch theilen,“ rief ſein Sohn, indem er ſich eilig umdrehte, um Ina zu umarmen, die vor Bewegung zitternd zu dem Orte herbeigetreten war. „Meine Schweſter, meine ſanfte Schweſter!“


