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ren, bildeten ein Gemälde, wie es ſich Titian oder Ru⸗ bens nicht ſchöner zum Copiren wünſchen konnten. Es erinnerte an die romantiſchen Tage des Ritterthums, das nun von allen andern Ländern als dem der heldenmüthi⸗ gen Atheghei verſchwunden iſt.
Neben Jvan ſtand Thaddeus ganz entzückt von die⸗ ſer ſchönen edeln Scene, mehr als uber alle andere jedoch von der Lieblichkeit Ina's, die er zuerſt erblickte, als ſie in die Arme ihres Vaters ſank. Er war ganz bezaubert als er ſie anblickte, und konnte ſeine Augen nicht von ihr abwenden; nie hatte er ein lieblicheres, reizenderes Weſen geſehen. Es war ihm, wie wenn er aus den dunkeln Regionen des Tods in ein prächtiges Paradies ein⸗ gegangen wäre.
Kaum waren die erſten Begrüßungen vorüber, als der Hadji auf Ivan zugieng, ihn an der Hand faßte, und ihn in die Mitte der verſammelten Häuptlinge führte, indem er ausrief:„Ich wende mich an Dich, mein edler Freund Arslan Gherrei und an Sie alle, wackere Häuptlinge. Ich habe heute eine heitere Pflicht zu er⸗ füllen. Hier ſteht Einer, den ich ſtolz meinen Freund nenne; mit mir kam er auf dieſe unſere Landesküſten; aber bis auf dieſen Augenblick weiß ich ſeinen Namen noch nicht. Er hatte einen Eid abgelegt und Niemand konnte denſelben mißbilligen, ſeinen Namen oder ſeine Abkunft nicht zu ſagen, bis er ſich ſelbſt durch ruhm⸗ würdige Thaten einen Namen erkämpft, und ſich würdig erwieſen hätte, zu dem ächten Geſchlechte der Atteghei zu gehören. Ich fordere Sie Alle, die Sie Zeugen ſei⸗ ner Waffenthaten waren, und ſeine heldenmüthige Tapfer⸗ keit ſahen, als er gegen die Feinde unſeres Landes kämpfte, auf, zu bezeugen, daß er werth iſt, eines der edelſten Kinder der Atteghei genannt zu werden. Ich fordere Sie Alle auf zu erklären, ob Sie ihn als einen Bruder, als den Tapferſten von den Tapfern unter uns aufneh⸗ men wollen?“


