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hört hatte, und deſſen edles Benehmen, herriſcher Muth, Ernſt und Melancholie ihm Gefühle von Liebe und Be⸗ wunderung eingeflößt hatten, wie er ſie nicht gewöhnt war für Andere zu empfinden; er konnte jetzt aber keine Gelegenheit finden ihn anzureden..
Als ſich die Parthie dem ſchönen Thale näherte, das ſie den vorhergehenden Tag verlaſſen hatte, ſah man eine Gruppe ſchlanker, reizender Figuren mit Blumen⸗ Guirlanden unter den Bäumen; ihre hellen Stimmen ſangen den ſiegreichen Kriegern Begrüßungs⸗ und Be⸗ glückwünſchungslieder. Die Häuptlinge ſtiegen von ihren Pferden, und warfen die Zügel ihren Reitknechten zu, als ſie die freie Waldſtelle erreichten, die bereits als die romantiſche Gerichtshalle der Nachbarſchaft erwähnt wurde.
Die Mädchen giengen den Kriegern entgegen, jede war begierig, denjenigen von ihren tapferen Vertheidigern, den ſie am liebſten hatte, zu begrüßen; lieblicher als alle kam Ina herbei, und ſiel freudig in die Arme ihres Vaters. Dieſe eine zärtliche Umarmung ſeines Kindes war für das Herz des edeln Helden eine hinreichende Entſchädigung für alle Gefahren und Beſchwerden des Kriegs. Die Frau und die Töchter des Häuptlings des Ortes kamen ebenfalls herbei, um dieſen und ſeine Söhne zu begrüßen; und manches ſchüchterne Mädchen verrieth ihre bisher verborgene Liebe für irgend einen tapferen Jüngling, durch ihre Freude über ſeine wohlbehaltene Zurückkunft aus der Schlacht. 3
Es wa eine ſehr intereſſante Scene. Diana ähn⸗ liche Figurenr von Frauen, die in farbige, reich verzierte Röcke gekleidet waren, und lange weiße Schleier trugen, die zierlich von ihren Köpfen herabfielen; gläuzende, reiche Rüſtungen, eingelegte Waffen und hohe Federn der edeln Häuptlinge; Gruppen muthiger Pferde, und Banden von Dienern, die auf der grünen Fläche ver⸗ ſammelt, von dem glänzenden Laubwerke hoher Bäume umgeben, und vom blauen Himmelsgewölbe bedeckt wa⸗


