Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchen (1846)
Entstehung
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Augenblick, wenn ſte ſich zum Gelingen derſelben Glück wünſchen zu können glaubten, verrathen würde. Ivan wußte wohl, wie verſchieden die Mittel und Wege find, deren ſich jene bedient, um die Unvorſichtigen zu erwi⸗ ſchen, und daß ſich die Macht dieſer großartigen Erfin⸗ dung des Despotismus der geheimen Polizei bis an die Gränzen des Reiches erſtreckt.

Zuletzt verwarf er jedoch dieſen Gedanken als dem Stempel, welchen die Natur ſtets in der Phiſiognomie ihrer Kinder ausdrückt, widerſprechend; und er fühlte ſich; wenn er dem Knaben in's Angeſicht ſchaute, über⸗ zeugt, daß er einer ſolchen Verrätherei unfähig wäre.

Daß Conrin durch die Verkleidung, welche die Flüchtlinge angenommen hatten, nicht getaͤuſcht worden war, war Jvan feſt überzeugt, da er ſich jederzeit in einem ſolchen Tone und in ſo achtungsvollem Benehmen an ihn wandte, wie er es wahrſcheinlich nicht gegen einen armen wallfahrtenden Bauer an den Tag gelegt hätte, obgleich in Rußland die Kinder ſehr früh gelehrt werden, dem Alter mit Achtung und Ehrerbietung zu begegnen. Er verſuchte es auch nie, ſich in ihre Ge⸗ ſellſchaft zu drängen, und hielt ſich immer entfernt, bis man ihn aufforderte, näher zu treten; doch hatte Jpan

zu verſchiedenen Zeiten zu bemerken geglaubt, daß die

Augen des Knaben mit einem ernſten, fragenden Blick auf ihn gerichtet waren, wie wenn er wünſchte, ſeine wahren Gedanken zu erforſchen. Nachher ſchien es ihm aber immer wieder, er habe ſich in dieſer Idee geirrt. Er ſah jedoch deutlich, daß der Knabe jedenfalls etwas zu ver⸗ bergen wünſchte; was jedoch immer der Grund ſeiner Zuneigung ſeyn mochte, ſo war er ihm dankbar in dem Bewußtſeyn, daß er ein menſchliches Weſen weiter auf der Welt hatte, das ſich um ihn bekümmerte.

Wir wollen unſere Reiſenden nicht auf jedem Tage ihrer langen und langweiligen Reiſe in Geſellſchaft der rückkehrenden Pilger begleiten, deren ſie bald ſehr über⸗ drüſſig wurden, und Javis war der Meinung, ſie könnten

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