172 Der alte Commodore.
würdig und gewiß reich an Herzensgüte; aber— ich liebe ſchon.« 3 6 t
Der alte Mann ſank betrübt in ſeinen Stuhl zurück; endlich murmelte er:»O wie ſo ſchwer, wie zu ſo wie⸗ derholten Malen iſt Auguſtus ſchon gerächt worden!«
»Das war nicht die Bemerkung eines Chriſten, Com⸗ modore,« ſagte Underdown.»Leben Sie und handeln Sie nach Ihren jetzigen Grundſätzen, und Ihre letzten Lebensjahre werden glänzend im Abendſcheine der Glück⸗ ſeligkeit verrinnen. Auguſtus iſt bei Gott, und von dort⸗ her kann ſo Verächtliches, wie die Rache es iſt, nim⸗ mermehr ausſtrömen. Sprechen Sie weiter, Oliphant; erzählen Sie uns Ihre Herzensgeſchichte, damit wir über Ihren Glückszuſtand und den unſerigen urtheilen können.« 1
Unter Einmiſchung mancher ſeemänniſcher Redens⸗ arten, in denen das»Hem! Hem!« Peter Drivels ihn
nicht zu unterbrechen vermochte, beſchrieb nun Oliphant
ſeine Erlebniſſe mit Roſa Belmont. Er prieß ihre Schön⸗ heit, ihre zarte, hohe Stirn, ihr majeſtätiſches Antlitz, ihre weißen Händchen und jene tiefen Bronnen des Ge⸗ fühls, ihre nie genügend zu beſchreibenden mauriſchen Augen. Beredter aber noch gab er ſich über ihre Schwär⸗ merei, ihre Talente. Seiner Meinung nach konnten
ſolche Körpevreize und ſolche Geiſtesbildung nur durch ein Wunder vereinbart worden ſein; und als er in Dar⸗
legung ſeiner Liebesgeſchichte kaum ſo weit, als wir deſſen hier gedachten, gekommen war, hatte der alke
Commodore ihm ſchon die Täuſchung verziehen, die in
Bezug auf Rebekka ihm durch den Jüngling bereitet worden war. 284 Mr. Underdown hövte das Alles mit ſtummer, in
ſich verſunkener Aufmerkſamkeit an. harg iric


