170 Der alte Commodore.
mich, der ich ehemals nur wegen meiner Rauhheit und meiner Selbſtbefriedigung berüchtigt war? Aber nach⸗ dem ich Denen, die mit mir lebten, Elend und Weh genug bereitete, will ich trachten, das wenige Gute, das in mir iſt, zu deren Glückſeligkeit zu verwenden. Meine Sitten kann ich vielleicht nicht mehr ändern, wohl aber meine Vorſätze—«
„Ihre Sitten, Commodore? Wie? Hörte ich Sie doch nie zuvor ſo wie jetzt als Mann von feinem Ge⸗ fühle reden!«
»Dein Compliment, Neffe, gereicht mir zum bitter⸗ ſten Vorwurfe; doch gleichviel, Junge! ich hab' ihn ver⸗ dient. Wohlan, Noll, gleich nach dem Treffen— denn ein Treffen muß uns werden!— wünſch' ich, daß Du Dich vom Dienſte zurückziehſt.«
»Wie, Commodore? Ich ſoll den Dienſt aufgeben? Eher mein Leben, als meine Ehre!«
»Hören Sie unſeren Freund zu Ende,« ſprach der Mann der Gelaſſenheit dazwiſchen.»Er hat gewichtige Gründe zu ſeinem Anliegen.“«
»Ja, gieb den Dienſt auf, Oliver;« fuhr der Com⸗ modore fort,»geh hin und wohne bei Becky und trachte ſie zu lieben; und, Noll, Du magſt ſie nun heirathen oder nicht, ſo hat Underdown doch Documente in den Händen, die Dir darthun werden, daß hinſichtlich der Geldmittel es Wenige geben dürfte, die Dich nicht be⸗ neideten.⸗
„ Gott ſteh' mir bei,« ſagte der junge Flottenkapitän heftig erſchüttert;—»Onkel, geben Sie mir die Hand, die Sie auf dem Hinterdecke mir verweigerten. Wie ſehr hab' ich Ihr edles Herz mißverſtanden! Aber ich werde backgetrieben; ich liege im Eiſen, und mir fehlt


