162 Der alte Commodore.
zu verfahren. Jetzt hatte er für die Donnerkeilerer eine kleine Ueberraſchung zur Hand.
Es war Zeit zum Mittagseſſen zu pfeifen.
„»Soll's an's Abſtrafen gehen, bevor wir zum Eſſen pfeifen, Sir Octavius? Wir haben eine lange ſchwarze Liſte,« ſagte Kapitän Egerton.
„Laſſen Sie mich doch das Papier ſehen, während Sie die Mannſchaft heraufrufen,« antwortete der Com⸗ modore. 14
Die Mannſchaft kam herauf, und die Gefangenen wurden vorgeführt. Wie gewöhnlich waren das Haupt⸗ vergehen Trunkfälligkeit und daraus hervorgegangene Pflichtvernachläſſigung oder Dumdreiſtigkeit geweſen.
Der alte Commodore las mit lauter Stimme das Regiſter ab, und ließ Jeden, deſſen Name dar auf befind⸗ lich war, vortreten.
„»Hört, meine Jungen,« ſprach er dann»es iſt Euer Glück, daß ich mich juſt an'nem Sonntag eingeſchifft habe. Verſteht mich, ich laſſe nicht gern im Strafen nach, bin aber doch leicht zu handhaben. Um des ge⸗ geißelten und gekreuzigten Begründers unſerer Religion willen wollen wir am Sonntag nicht auspeitſchen laſſen; es möchte, wenn wir's thäten, dem Erlöſer mißfällig ſein.⸗
Die Männer ſtanden ſtarr vor Erſtaunen, und als der Alte bei Nennung des heiligen Namens ſeinen Hut lüftete, und die ſchaurigen Zeichen von dem Klingen⸗ hiebe des Feindes zeigte, kam, zum erſten Male ſeit Monaten, ein religiöſer Schauer über die Mannſchaft.
»Nun, meine Männer,“ fuhr er fort,„da ich ban⸗ ges Erwarten für faſt eben ſo ſchmerzvoll als die Katze erachte, ſo kann ich nichts Eiligeres thun, als den Ka⸗
pitän Egerton bitten, mir zu erlauben, dieſe Liſte zu zerreißen.«“ Indem er dieß that, und ſie dann über


