Der alte Commodore.
Der Pöbel verlief ſich ohne weiter Lärm zu machen. Die Zuſammenkunft fand wie das vorigemal Statt. Lady Aſtell ließ nicht den mindeſten Verdruß darüber blicken, daß man ihr den Eintritt geweigert hatte; ſie beſchränkte ſich durchaus auf ihre Forderung und auf ihr. Vorleſen des Briefes. Von jenem Tage an ver⸗ ſchloß man ihr niemals wieder die Einfahrtpforte.
Der alte Commodore machte noch Einen Verſuch, um dieſes lebendigen Geſpenſtes ledig zu werden, allein da dieſer ebenfalls mißglückte, ergab er ſich verzweif⸗ lungsvoll in ſein Schickſal. Er reiſete nämlich nach einem entlegenen Badeorte, allein, kaum war er drei Tage dort geweſen— ſiehe! ſo hielt auch der Trauer⸗ wagen vor ſeiner Thür. Wie gewöhnlich empfing Octa⸗ vius ſeine Schweſter und reiſete mit Poſthaſt nach Treſtletree⸗Hall zurück Es war am gerathenſten, den Skandal auf die möglich engſten Grenzen zu beſchrän⸗ ken. Dieſe Heimſuchungen fanden nicht nach regelmäßi⸗ ger Ordnung, wohl aber nach obſchwebendem Gemüths⸗ zuſtande der Lady Aſtell Statt. Bisweilen erhielt der Commodore zwei, ja drei raſch auf einander folgende Beſuche; dann verfloſſen Monate, ehe die Dame ſich ihm wieder zeigte.
Zur Ehre des alten Commodore müſſen wir erwäh⸗ nen, daͤß, wenn man in ihn drang, er ſollte als der nächſte Verwandte ſeiner Schweſter, dieſe unter Staats⸗ genehmigung wie eine Wahnſinnige in Verwahrſam bringen laſſen, er ſolches Anſinnen ſo ernſt und ent⸗ ſchieden zurückwies, daß Niemand es wieder gegen ihn zu äußern wagte. So vergingen Jahre, bis zur Zeit, in welcher wir unſere Geſchichte in dem erſten Kapitel derſelben eröffneten.


