Der alte Commodore. 3¹
irgend einen der ſie umgebenden Perſonen und Gegen⸗ ſtände im geringſten zu achten.
„Das iſt Irrſinn,« ſtöhnte der arme Underdown.
»Mir bricht das Herz— helft mir zu Bette!« waren die einzigen Worte, die für mehrere Tage der beklagenswerthe alte Commodore hören ließ.
Lady Aſtell kehrte wieder, und kehrte immer und immer wieder und that die nämliche eintönige, ſchauer⸗ liche Forderung. Nimmer wollte ſie einen Sitz ein⸗ nehmen, noch auf irgend eine der kleinen Höflichkeiten des geſelligen Lebens eingehen. Jeden Anderen, der nicht die eiſenfeſte Körperbeſchaffenheit ihres Bruders gehabt hätte, würde ſie durch ihr geſpenſterartiges Erſcheinen getödtet haben. Vieles und Manches ver⸗ ſuchte Octavius, um dieſen Beſuchen auszuweichen; je⸗ doch vergebens. Einmal, als er ſich weigerte den düſte⸗
ren Trauerzug in ſein Parkthor einfahren zu laſſen,
blieb Lady Aſtell draußen acht Stunden lang bei dem entſetzlichſten Unwetter halten. Alle ihre Begleiter ſchienen mit eben demſelben mitleidsloſen Geiſte, wie ſie ſelbſt, begabt zu ſein. Reiter und Diener hielten ſich beinahe regungslos während all' jener Zeit an ihren Plätzen. Anfänglich verſammelten ſich die Dörfler zu Dutzenden, endlich zu Hunderten, um das Fuhrwerk der Dame; Alle wußten, weßhalb dieſe gekommen war, und das allgemeine Mitleid der rings umher Wohnen⸗ den ward ihr in Fülle zu Theil. Dieſe ihre hartnäckige Geduld trug endlich den Sieg davon. Das Ziſchen und Schimpfen des Pöbels drang endlich in's Herrn⸗ haus; die Thore deſſelben wurden geöffnet, und von mehreren Hunderten umſtanden, ſtieg die Dame wie gewöhnlich aus und trat in die Vorhalle von Treſt⸗ letree. 4


