Der alte Commodore. 29
meinem Leben! er kann nichts davon wiſſen. Wollen Sie nicht zu mir reden? nicht zu mir, Ihrem alten, treuergebenen Freunde? Wollen Sie mich— wollen Sie uns Alle von ſich ſtoßen, ſo thun Sie es auf eine
minder geſpenſtiſche— thun Sie es auf menſchliche
Weiſe. Wollen Sie ſich nicht ſetzen? O, reden Sie zu mir!«
Währeud dieſer Aurede blieb Lady Aſtell ſo regungs⸗ los, als ob ſie auf der Stelle, auf welcher ſie ſtand, in Stein verwandelt worden wäre.»Kein Geiſt des Lebens war in ihrem Auge.« Zweimal regten ſich ihre lautloſen Lippen; dann endlich hauchte die Dame lei⸗
denſchaftslos und empfindungslos die Worte aus:
»Befehlt dem Manne dort mir in's Geſicht zu ſehen!« Der Commodore heftete jetzt einen Schreckensblick
auf ſie, rang nach Redekraft, und ſtammelte dann:
„Schweſter, ich habe ein ſchreckliches Unrecht an Dir begangen; doch nehme ich Gott zum Zeugen, daß ich unſchuldig an dem Tode des Jünglings bin. Ich that alles, was ein ſchwacher und alter Mann thun konnte, um ihm das Leben zu retten. Daß ich harſch gegen ihn war, ſehr harſch, tyranniſch harſch— wit Scham, mit aller Bitterkeit nimmerſterbender Reue bekenn' ich es; aber, o Agnes! iſt dieß ein Weg, auf welchem Bruder und Schweſter zuſammentreffen ſollten?«
„» Gieb mir mein Kind!⸗
„»Warum willſt Du mir alſo meine wenigen übri⸗ gen Lebenstage verkürzen? Haſt Du der Rache nicht ſchon genng auf das Haupt des einen Dir übriggeblie⸗ benen Bruders gehäuft? Haſt Du nicht Schmach über mich gebracht, Angeſichts meines Monarchen? Haſt Du mich nicht in meiner Dienſtbeſtallung entehrt? mir nicht
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