Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Das Teſtament war verleſen. Eliſabeth blickte hinüber zu Thomas Seymour während dieſer feier⸗ lichen bedeutungsvollen Vorleſung. Sie wollte auf ſeinem Antlitz den Eindruck leſen, den dieſe ernſten und zukunftsvollen Worte auf ihn machten, ſie wollte in den Tiefen ſeiner Seele forſchen und die geheimen Gedanken ſeines Herzens ergründen. Sie ſah, wie er erbleichte, als nicht die Königin Katharina, ſondern ſein eigener Bruder, Graf Hertfort, zum Regenten ernannt ward während der Minderjährigkeit Eduards, ſie ſah den finſtern, faſt zornigen Blick, den er auf die Königin hinſchleuderte, und mit einem grauſamen Lächeln murmelte ſie:Ich bin gerächt! Er liebt ſie nicht mehr!

Auch John Heywood, welcher hinter dem Thron⸗ ſeſſel der Königin ſtand, hatte dieſen Blick Thomas Seymour's wahrgenommen, aber nicht, wie Eliſabeth, mit frohlockendem, ſondern mit tief trauerndem Her⸗ zen, und er ſenkte ſein Haupt auf ſeine Bruſt und murmelte:Arme Katharina! Er wird ſie haſſen, und ſie wird ſehr unglücklich ſein.

Aber noch war ſie glücklich. Ihr Auge rrahite in reinem Entzücken, als ſie vernahm, daß ihr Ge⸗ liebter, kraft des königlichen Teſtamentes, zum Groß⸗ Admiral von England und zum Vormund des jungen Königs ernannt ward. Sie dachte gar nicht an ſich, ſondern nur an ihn, an ihren Geliebten, und es er⸗ füllte ſie mit der ſtolzeſten Genugthuung, ihn mit ſo hohen Ehrenſtellen und Würden bekleidet zu ſehen.

Arme Katharina! Ihr Auge ſah nicht die trübe Wolke, die immer noch auf der Stirn ihres Geliebten lagerte. Sie war ſo glücklich und ſo arglos und ſo wenig ehrgeizig. Für ſie gab es nur dieſes eine