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Oh, ſchlagt Eure Augen nicht nieder, und erröthet nicht vor Schaam. Der edle Erzbiſchof kennt Euer Herz, und er weiß, daß es rein iſt, wie das Herz einer Jungfrau, und daß niemals ein unkeuſcher Ge⸗ danke Eure klare Seele befleckte, und mein Bruder würde nicht hier ſein, wenn er nicht Glauben und Ehrfurcht hätte, einer Liebe gegenüber, welche ſich in Stürmen und Gefahren ſo treu und unerſchütterlich bewährt hat. Ich habe dieſe beiden edlen Freunde zu meinen Brautwerbern gewählt, und in Ihrem Beiſein will ich Euch fragen: Königin Katharina, der König iſt todt, und keine Feſſeln binden mehr Euer Herz, wollt Ihr es mir jetzt zu eigen geben? Wollt Ihr mich annehmen zu Eurem Gemahl und mir Euren Königstitel und Eure erhabene Stellung zum Opfer darbringen?. Sie reichte ihm mit einem bezaubernden Lächelu die Hand dar. Ihr wißt wohl, flüſterte ſie, daß ich Euch nichts opfere, ſondern Alles von Euch empfange, was ich erhoffe von Glück und Liebe.
So werdet Ihr alſo im Beiſein dieſer beiden Freunde mich als Euren zukünftigen Gemahl anneh⸗ men und mir das Gelübde Eurer Treue und Liebe geben?
Katharina zitterte und ſchlug mit der Verſchämt⸗ heit eines jungen Mädchens die Augen nieder. Mein Gott, flüſterte ſie, ſeht Ihr denn nicht meine Trauer⸗ kleider? Ziemt es ſich denn, an das Glück zu denken, während die Trauerklänge kaum verhallt ſind?
Königin Katharina, ſagte Erzbiſchof Cranmer, laſſet die Todten ihre Todten begraben! Auch das Leben hat ſeine Rechte, und der Menſch ſoll ſeine Anſprüche auf das Glück nicht aufgeben, denn es iſt ein heiligſtes Beſitzthum. Ihr habt viel geduldet und
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